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Stellungnahmen/ Kommentare

Katja Friedrich: „Zeichen setzen! Kreativ und kritisch mit Medien leben“

Einstelldatum: 20.07.2010

Zum Beispiel mit dem HANDY!

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Es breitet sich aus, in Universitäten, in der Wissenschaft und vor allem am Arbeitsplatz: überall wird mobil hantiert. Laptops mit UMTS-Handykarte und PDAs (Personal Digital Assistant), die mit dem Handy zu „Smartphones“ verschmelzen, machen es möglich, dass JEDERZEIT und AN ALLEN ORTEN gearbeitet werden kann. Und natürlich auch gelernt. Die Umgestaltung des tragbaren Telefons zum Multimedia-Computer ermöglicht in zunehmendem Maße den Zugang zu den Medien- und Wissensarchiven des Internets.

Doch die modernen „mobile devices“ stellen weit mehr dar als nützliche Arbeits- und Zweckgeräte. Ihre stetig wachsende massenhafte Nutzung und ihr Faszinosum haben auch damit zu tun, dass Handys, Smartphones und Co. in einer zunehmend individualisiert, mobil und disparat organisierten Global-Gesellschaft ein hilfreiches Instrument anbieten, „den konkreten Ort auszublenden und sich kommunikativ in andere Welten einzuklinken, um sich so abzusichern“, wie Tully und Zerle in ihren Untersuchungen zur Rolle des Handys in der jugendlichen Alltagswelt darlegen (Handys im Jugendalltag, in: Handy – Eine Herausforderung für die Pädagogik", kopaed 2010, S. 18).

Mobilität bei Jugendlichen nun ist im Gegensatz zur gestressten nach Effektivität strebenden Erwachsenen- und Business-Welt, „oft nicht zweckhaft, sondern vielfach emotional motiviert“ (Tully/Zerle, a.a.O.) In einer sich beschleunigenden Welt mit auseinander driftenden sozialen Bewegungen und ständigen Ortswechseln, dient das Handy dabei als Koordinierungszentrale: Wo ist meine peer-group, wo ist meine Familie gerade? Wo passiert etwas Wichtiges, das ich nicht  verpassen darf? Was denkt mein Freund und wie geht es ihm? Wie waren noch mal gleich die Hausaufgaben, die ich mir nicht aufgeschrieben habe?

Ben Bachmair geht sogar so weit zu konstatieren, dass das Handy in die „Funktion einer wesentlichen Ressource für Kultur und Gesellschaft hineingewachsen“ ist (vgl. Ben Bachmair (Hrsg.): Medienbildung in neuen Kulturräumen. Die deutschsprachige und britische Diskussion, VS Verlag 2009, S. 197ff.). Diese Ressource gelte es für Schule und für Lernen inner- und außerhalb von Institutionen nutzbar zu machen und auf ihre Potenziale hin zu untersuchen.  Doch obwohl das Handy ein fester Bestandteil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen geworden ist, empfinden Pädagogen das Gerät in der Regel  mehr als Störfaktor denn als Nutzbringer und sehen in dem kleinen Kultgegenstand oft eine Repräsentanz von allgemeinem Kultur- und Regelverfall. Es besteht die Sorge, dass die immer währende Verfügbarkeit banaler Inhalte und banaler Kommunikation eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Lernstoffen schwierig macht.

Die Aufgabe von Medienpädagogik heute ist es also, hier Orientierung zu geben und Konzepte zur Thematisierung der Risiken (kritisch!) und zur Nutzung der Chancen (kreativ!) im pädagogischen Alltag  verfügbar zu machen. Einen guten Einblick in das  Handlungsfeld gibt die 2008 im kopaed-Verlag erschienene Publikation „Handy – Eine Herausforderung für die Pädagogik“ (hrsg. von Anfang/Demmler/Ertelt/Schmidt). Das Buch beleuchtet im Theorieteil die Hintergründe des jugendlichen Handykonsums, zeigt rechtliche und inhaltliche Problematiken auf, verweist auf Handlungsbedarf in Erziehung und Jugendmedienschutz. Im Praxisteil stellt es überzeugende pädagogische Handlungsmöglichkeiten vor allem für die Jugendbildung vor (Böker: „Ein Dutzend Anregungen sich dem Handy zu nähern“, S. 73-79) und weist auf Jugendportale und Informationsquellen hin (www.handysektor.de, ein Angebot der Landesmedienanstalten).

Das Handy als motivationsfördernde „Kommunikationsbrücke in den Alltag“ stellt das Projekt „MyMobile“ von medien+bildung.com in Rheinland-Pfalz in den Mittelpunkt. In vier- bis sechswöchigen Schulprojekten unterrichtet jeweils ein/e Medienpädagog/in gemeinsam mit der/dem Fachlehrer/in, z.B. in Deutsch, Englisch, Mathematik oder Sozialkunde. Wichtig ist dabei, die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler im Umgang mit dem Handy in den Unterricht einzubeziehen. Gemeinsam entwickelte, maßgeschneiderte Methoden entsprechen der Klassenstufe, der Schulform und dem Lernthema. Gearbeitet wird in Grund-, Haupt- und Gesamtschulen sowie an Gymnasien mit Erst-, Dritt-, Sechst-, Zehnt- und Zwölfklässlern. Die Ergebnisse werden auf www.mymobile-online.de veröffentlicht. Sie fließen darüber hinaus in Lehrmaterialien, Schulungskonzepte und didaktische Unterrichts-Settings ein. MyMobile zielt darauf, die Eigenschaften des Handys als mediales Universalwerkzeug für den Fachunterricht fruchtbar werden zu lassen. Dabei werden die Kompetenzen der Schüler/innen als Alltagsexperten (native experts) gezielt angesprochen. Das Handy kann somit zum einen als Lernressource und zum anderen als Chance für die Teilhabe an Gesellschaft und Kultur genutzt werden.

Einen ganz anderen Zugang zu „mobile learning“ eröffnet ein Projekt der Fern-Universität in Hagen. Die Forschungsgruppe Mobile Learning ist der Frage nachgegangen, ob und in welchem Maße Lernangebote auf dem Handy beispielsweise Auszubildende im Lernprozess zielgerecht unterstützen können. Im Vortrag auf der Didacta 2010 (http://mlearning.fernuni-hagen.de) wurden erste Ergebnisse präsentiert, die zusammen mit dem Praxispartner Handylearn Projects und einer Berufsschule im Rahmen des Ausbildungsganges zum/zur Elektroniker/in erarbeitet wurden. Dies ist ein Teilprojekt des Verbundprojektes “Mobile Learning – prozessorientiertes Informieren und Lernen in wechselnden Arbeitsumgebungen”, das zum Ziel hat, mit Hilfe eines interdisziplinären Netzwerks von Forschern, Entwicklern und Anwendern eine praxisnahe Erprobung des Mobile Learnings verschiedener Wirtschaftszweige zu initiieren, zu evaluieren und nachhaltig zu implementieren.

Wer über die angegebenen Publikationen hinaus Orientierung zum Thema sucht, dem sei das  Werk von Norbert Pachler, Ben Bachmair und John Cook  „Mobile Learning.  Structures, Agency, Practices“ empfohlen, 2010 im Springer Verlag erschienen. Diese Arbeit fasst den europäischen und angloamerikanischen Forschungsstand zusammen und gibt Ausblicke, wohin die Reise gehen könnte. Interessant dürfte auch ein Blick in die Datenbank „MoLeaP“ (www.moleap.net) sein, die erfolgreich durchgeführte Projekte des „mobile learning“ unter dem Dach des WLE (Work-based learning for educational professionals) am Institute for Education der University of London fortlaufend dokumentiert.  

Lust zum Nachmachen will die „Handytagung“, die medien+bildung.com Ludwigshafen, das JFF – Institut für Medienpädagogik München, Jugend-online Bonn und Lizzynet Köln gemeinsam am 14.09.2010 in Ludwigshafen ausrichten, machen. Die Fachtagung „Neue Chancen für Medienpädagogik und Bildung“ thematisiert die Vorteile und die möglichen Risiken dieses Konzepts und bringt neue Impulse für den Einsatz des Handys in der Medien- und Bildungsarbeit. Eingeladen sind Lehrer/innen und Pädagog/innen aller Bildungsbereiche, selbst auszuprobieren, wie man mit Medien kritisch UND kreativ leben kann (http://medienundbildung.com/index.php?id=867)  

Indem man:  ZEICHEN SETZT und AUSPROBIERT