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Stellungnahmen/ Kommentare

Sonja Ganguin: Tiere in Käfigen und Pfannen

Einstelldatum: 28.04.2009

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Yvonne Sauerland, 34 Jahre alt, arbeitet als Finanzangestellte in einer Mittelstadt in Franken. Ihr Arbeitstag dauert von 8:00 Uhr bis 13:30, danach kauft sie ein, bestellt ihren Haushalt und kümmert sich um ihre zwei Kinder, die von der Schule Heim kommen. Während sie ihren Haushalt versorgt, lässt sie den Fernseher laufen, achtet halbherzig auf das gesendete Programm und schaltet nach Belieben zwischen den Kanälen um. Was ihr geboten wird, sind: Zoo-Serien und weitere Programme, die ihrer Körperlinie gut tun, nämlich: Essen für die Gesundheit, Kochen mit wenig Kalorien, Starköche im Duell. Auch Tiersachen wie: Zebras mit Hufbrand, Pinguine mit Nagelproblemen, Analuntersuchungen bei Tüpfelhyänen und einsame Elefanten in der Brunft sind für sie kein fremdes Terrain mehr. Dazwischen: mit Kalbshaxe im Schlafrock oder fernöstliche Gerichte ist sie mittlerweile so vertraut wie mit den Pflegern in zoologischen Gärten zwischen Kiel und München. Was sieht Deutschland Tag ein Tag aus?

Neben Tatort und Günther Jauch dominieren das Programm von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern zwei Formate: Kochsendungen und Zoo-Dokumentationen. Wie die gute Yvonne liebe ich solche Sendungen. Ich schätze es, wenn Schwarzbären von Bronchitis geheilt und wenn Sahnesoßen mit einer Spur von Fernöstlichem perfektioniert werden. Ich warte noch auf die Zeit, wenn die Bundeskanzlerin im Nilpferdgehege erscheint oder der Außenminister seine Eindrücke zwischen Chili und Burger dem Fernsehvolk zum Besten gibt. Wer hat sich das ausgedacht? Welche tiefe Seele kommt auf die Idee, das deutsche Fernsehpublikum mit solchen (vermeintlichen) Trivialitäten zu überschwemmen? Angebliche Starköche, die mit Rastafrisuren in ihre Töpfe und Pfannen hineinschnuppern, unterscheiden sich in äußerlicher Manier zwar gravierend von sächselnden Tierpflegern, die ihre Elenantilopenpopulationen vor dem Durchfall retten,. Doch strukturelle Ähnlichkeiten sind unübersehbar. Das Herz des bundesdeutschen Fernsehvolkes wird in Eins geführt mit Problemen und Problemchen, die bis dahin den bundesdeutschen Bürgern völlig fremd waren. Aber ist darin etwas falsch? Nein!! Nach Jahren des Problemjournalismus und der Irritation tumber Geister hat die professionelle Gilde der Fernsehmacher einen wahren Zugang zu ihrer Klientel gefunden. Es gibt kein Afrika (mit tausenden Aids-Toten), aber es gibt ein Afrika der Lemuren und Springbock-Steaks. Selbst Delphine, die zu Hunderttausenden in den kilometerlangen Netzen der Thunfisch-Fänger verrecken, werden uns in den Zoo-Becken, z.B. von Münster, als Ball-kickende Clowns sympathisch näher gebracht. Und wer schaut sich dieses zoologische Getreibe nicht gerne an? Dazwischen wieder ein Rezept: Austernpilze, paniert und in Butter gebräunt. Keine Tiere, keine Haifisch-Steaks, alles politisch korrekt.

Jetzt, meine lieben Leserinnen und Leser, will ich mich outen. Ich bin verheiratet und der Mann von Yvonne. Unsere zwei Kinder werden den Großteil des Tages von meiner Frau versorgt, mein Anteil an der Aufzucht des Nachwuchses ist eher bescheiden. Ich danke meiner Frau und vertraue ihr über den Tag. Natürlich integriert sie das Fernsehen in unser gemeinsames Erziehungsprogramm. Und ich muss abschließend sagen: Das, was das deutsche Fernsehprogramm zu bieten hat, ist nicht das Schlechteste, wenn man sich an Tiere in Käfigen und Pfannen hält.