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Stellungnahmen/ Kommentare

Ida Pöttinger: Medienpädagogik ohne Grenzen

Einstelldatum: 02.03.2010

Kommentar als PDF-Datei

Nun hat Deutschland ein Manifest. Wenn man sich überlegt, wie lange es gedauert hat, dass sich eine Handvoll Institutionen zusammenrauft, um ein paar Statements zu unterschreiben, dann denkt man, das kann woanders nur schlimmer sein. Ist es aber nicht. Weltweit versucht man medienpädagogische Forderungen auf einen Nenner zu bringen. Nur nehmen wir das kaum wahr.

Medien global

Wir kreisen um uns selbst und sehen nicht, was sich in anderen Ländern tut. Kein Wunder, denn wenn jemand auf eine kanarische Insel fliegt, dann nicht, um dort die Unterrichtspläne zu durchforsten. Wie sehr manche Länder mittlerweile ICT-affin sind, sehen wir höchstens an den PCs in Hotels oder an den Bankautomaten, die mitten im Dschungel stehen.

In Wirklichkeit haben natürlich längst in allen Schulen der Welt Computer, das Internet und das Handy Einzug gehalten. Selbst an Orten, an denen man es wirklich nicht vermutet, gibt es Internetcafés und Handyläden – von Sizilien über sibirische Dörfer, von brasilianischen Favelas bis zur thailändischen Miniinsel. Das bedeutet, dass diese Kulturen nicht abgeschnitten sind von der weltweiten Kommunikation, selbst wenn es einige Einschränkungen gibt, sondern auch mit den gleichen Informationen und Angeboten leben, wie wir.

Medienpädagogik weltweit

Insofern ist es kein Wunder, dass sich drei global agierende Einrichtungen zusammengetan haben (World Summit 2010 , Unesco Global Education und der Europarat), um über die weltweiten Herausforderungen zu debattieren. Die nächste Tagung, der „World Summit on Media for Children and Youth“ findet in Schweden statt www.wskarlstad2010.se.  Von dieser Tagung haben sicher nur wenige gehört, obwohl der World Summit bereits seit 1995 existiert und im dreijährigen Abstand in London, Thessaloniki, Rio de Janeiro and Johannesburg stattgefunden hat. Eines der wichtigsten Ergebnisse war eine Charta zum Kinderfernsehen www.wsmcf.com. Im Juni 2010 werden wieder ProduzentInnen von Kindermedien und MedienpädagoInnen nach Karlstad eingeladen, um Kriterien für Kindermedien zu diskutieren und medienpädagogische Projekte zu zeigen.

Von zwei anderen Gipfeltreffen in Genf und Tunis (World Summit on the Information Society, www.worldsummit2003.de), die sicher nicht ohne Auswirkungen auf die Medienpädagogik sind, wissen ebenfalls die wenigsten von uns: 2003 wurde in Genf eine Charta von UNO, NGOs, Vertretern der Politik und der Wirtschaft verabschiedet und laufend novelliert. Die 3. Version „Charta der Bürgerrechte für eine nachhaltige Wissensgesellschaft“ findet man unter  www.worldsummit2003.de/download_de/Charta-Flyer-deutsch.pdf. Hier werden z.B. Probleme der digitalen Spaltung thematisiert.

Medienpädagogik in Europa

Ebenso sind an den meisten GMK-Mitgliedern die Tagungen von EUROMEDUC vorbei gegangen. Das letzte Treffen in Bellaria Italien www.euromeduc.eu stellte vor allem die unterschiedlichen Perspektiven der europäischen Länder heraus. In der Tat sind z.B. die osteuropäischen Länder nicht vergleichbar mit den westeuropäischen: Hier gibt es eine funktionierende Zeitungslandschaft, die nicht ausschließlich kommerziellen Interessen dient, sondern historisch gewachsen ist. Dort gibt es Parteiblättchen, Zeitungen von Industriellen aus der Baubranche und Ableger tendenziöser deutscher Tages- und Wochenzeitschriften. Auch die Ausbildung von JournalistInnen ist weder universitär noch irgendwie staatlich geregelt. Die medienpädagogischen Ziele sind  sehr unterschiedlich. So wurden bei dem Kongress auch Fragen aufgeworfen, mit denen wir uns in Deutschland beschäftigen: Pädagogische versus technische Orientierung oder schulische versus informelle, künstlerische Medienbildung. Hilfe beim Aufbau von medienpolitisch und -pädagogisch besseren Strukturen bieten gemeinsame programmatische Erklärungen, die den persönlichen Austausch und zielgerichtetes Handeln fördern. Dabei ist die europäische Charta zur Medienkompetenz, die von vielen europäischen Institutionen entworfen wurde, ein Vorbild. www.euromedialiteracy.eu/charter.php?id=5. Alle Personen und Institutionen können hier eine Selbstverpflichtung unterschreiben.

Medienpädagogische Projekte

Jede Zusammenarbeit sollte getragen sein vom Verständnis für die Situation des anderen Landes. Das gelingt am Besten durch Kommunikation, die nicht nur virtuell ist, sprich durch Austauschprojekte. Die Europäische Union fördert sowohl schulische als auch außerschulische Kooperationsprojekte. Grundlage für Projektanträge ist eine Empfehlung zur Medienkompetenz unter dem merkwürdigen Titel: „Empfehlung zur Medienkompetenz in der digitalen Welt als Voraussetzung für eine wettbewerbsfähigere audiovisuelle und Inhalte-Industrie und für eine integrative Wissensgesellschaft“  vom 20.8.2009. Sie befindet sich in deutsch auf: http://ec.europa.eu/avpolicy/media_literacy/docs/recom/c_2009_6464_de.pdf.

Zur konkreten Antragstellung bieten sich zwei Portalseiten an, die je nach schulischer oder außerschulischer Medienarbeit weiterbringen: Comenius fördert Schulprojekte www.kmk-pad.org/comenius/ausschreibung/ausschreibung-2010/ und „Jugend in Aktion“ fördert die Arbeit mit Jugendgruppen und PädagogInnen aus verschiedenen Ländern www.jugend-in-aktion.de.

Blind Communities

Anlass, diese Gedanken, Hinweise und konkrete Tipps zu veröffentlichen, ist nicht nur, dass offensichtlich immer wieder daran erinnert werden muss, dass Medien heute global funktionieren. Es soll auch daran erinnert werden, dass die Medienindustrie global agiert. Eine gemeinsame Haltung der MedienpädagogInnen weltweit kann den Rahmen abstecken, in dem Kinder und Jugendliche sich entwickeln und Erwachsene sich frei und sicher fühlen können. In Zeiten unbegrenzter Kommunikation besteht dieser Rahmen aus der Wahrung der Meinungsfreiheit und der Wahrung entwicklungspsychologischer und humanistisch-ethischer Grenzen. Ansonsten sind wir eines Tages gänzlich dem Markt und den technischen Entwicklungen ausgeliefert.

Ida Pöttinger, März 2010