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Medienpädagogik, Medienbildung, Medienkompetenz

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Neuß, Norbert: Warum Medienpädagogik?

Medien sind Bestandteil aller Lebensbereiche von Menschen. Dadurch werden diese Lebensbereiche beeinflusst und verändert, ob nun durch den Fernseher im familiären Alltag, das Internet in der Schule, den PC im Berufsleben, das Handy unter Jugendlichen oder die Spielkonsolen bei Kindern. Diese Medien nehmen auf die Kommunikation, die Sicht der Welt, die Informationsgewinnung, das Lernen und Vergessen, die Gesundheit und die Identitätsbildung Einfluss.

Deshalb formulierte Dieter Baacke die Aufgabe der Medienpädagogik so:

"Aufgabe der Medienpädagogik ist es anzugeben, an welchen Stellen in der Interaktion von Medien und Menschen (hier vor allem: Kindern und Jugendlichen) erziehend und bildend, lehrend und beratend, orientierend und informierend einzugreifen sei."

Medienpädagogik setzt sich also zur Aufgabe, Erziehungs- und Bildungsprozesse verantwortungsvoll zu begleiten. Verantwortung ist in freiheitlichen Gesellschaften nicht einfach durch Verbote zu regeln. Daher bedarf es immer wieder einer Ausbalancierung dieser Aufgabe, bei der die pädagogischen Ziele "Mündigkeit und Selbstbestimmung" ganz oben stehen. Sowohl die kritische Beobachtung des Medienmarktes als auch die Wahrnehmung der Heranwachsenden als aktiver Rezipienten helfen bei einer sensiblen Einschätzung. So können enorme Chancen der Medien erkannt und pädagogisch genutzt werden. Gleichzeitig müssen mögliche Gefahren gesehen, benannt und nach Möglichkeit abgewendet werden. Dabei umfasst Medienpädagogik alle sozialpädagogischen, sozialpolitischen und sozialkulturellen Überlegungen und Maßnahmen, wie Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die ihre kulturellen und kommunikativen Interessen und Entfaltungsmöglichkeiten, ihre Wachstums- und Entwicklungschancen, ihre politischen Ausdrucks- und Partizipationsmöglichkeiten betreffen. Umfassendes Ziel der Medienpädagogik ist die Förderung der Medienkompetenz.

Medienpädagogik ist für alle Lebensalter und pädagogischen Institutionen relevant. Sie setzt dabei zentrale Aspekte der Medienbildung und der Medienkompetenz um und untermauert diese durch eigenständige Forschung. Diese Verzahnung soll durch das Bild des Reißverschlusses deutlich werden.


1. Medienpädagogik in der Familie
ist Medienerziehung. Eltern erleben, wie Vorschulkinder aktiv mit Medien und ihren Inhalten umgehen. Sie benötigen Geschichten für den Ausdruck eigener Gefühle und Sachinformationen zum Verstehen ihrer Lebenswelt. Medienpädagogische Bildungsarbeit hilft Eltern bei der Auswahl guter Medieninhalte und berät im Hinblick auf einen sinnvollen und maßvollen Medienumgang.

2. Medienpädagogik im Kindergarten
ist eine eigenständige Bildungsaufgabe, die Kindern wichtige Orientierungshilfen in der Medienwelt gibt. Damit sich Kinder kompetent und zunehmend selbstständiger in der Medienwelt bewegen, benötigen sie Unterstützung von pädagogischen Fachkräften. Ausgehend vom situationsorientierten Ansatz stehen die Verarbeitung von Medienerlebnissen, erste Erfahrungen mit aktiver Medienarbeit und das Durchschauen von Medienangeboten (z.B. Werbung) als Ziele im Vordergrund. Das sinnvolle Lernen am Computer und die spielerische Förderung (z.B. von Sprachkompetenzen) durch entsprechende mediengestützte Programme sind Teil einer elementaren Bildungsarbeit.

3. Medienpädagogik in der Grundschule
ist Bestandteil elementarer Schulpädagogik. Die Vermittlung von Medienkompetenz wird als Ziel schulischer Medienpädagogik so bedeutsam, dass sie als vierte Kulturtechnik bezeichnet wird. Hierbei geht es um das Lesen und Verstehen von Texten und Bildern (ästhetische Alphabetisierung), die gezielte Nutzung des Computers als Werkzeug und auch um die Ausbildung von Anwendungs- und Gestaltungsfähigkeiten.

4. Medienpädagogik in weiterführenden Schulformen
ist ein integrierter Bestandteil der Fächer. Ihre Methoden werden in fächerübergreifenden Projekten eingesetzt, um fachliche, soziale, methodische und medienrelevante Kompetenzen auszubilden. Wo Schulen traditionelle und neue Medien verbinden, entstehen Selbstlernzentren (früher Schulbibliotheken). Medienpädagogische Schwerpunkte tragen zur Profilbildung von Schulkonzepten bei. In der Schule geht es um das Durchschauen und Beurteilen von Gestaltungs- und Wirkungsprinzipien der Medien, das Erkennen und Aufarbeiten von Medienproduktion und –einflüssen, das Auswählen und Nutzen von Medienangeboten und um das Gestalten und Verbreiten eigener Medienprodukte.

5. Medienpädagogik in der außerschulischen Bildungsarbeit und Sozialpädagogik
ist ein wichtiges Element zur Förderung von Handlungs-, Kommunikations- und Sozialkompetenzen. In der Kinder und Jugendarbeit werden medienpädagogische Ziele vorrangig durch handlungs- und lebensweltorientierte Methoden umgesetzt. Dabei nutzen Heranwachsende die verschiedensten Medien praktisch (Handy, PC, Video usw.), um sich mit anderen zu verständigen, ihre Sicht auf relevante persönliche oder gesellschaftliche Themen auszudrücken, sich selbst als aktiv handelnden Mediennutzer/In zu erleben und ästhetische Sensibilität auszubilden. Medienpädagogik ist hier untrennbar mit dem sozialen Lernen (Gruppen- und Gemeinwesenarbeit) verbunden.

6. Medienpädagogik und interkulturelle Pädagogik
gehören heute unabdingbar zusammen. Medienpädagogik bietet Menschen über die eigene Muttersprache hinaus vielfältige Kommunikations- und Ausdrucksmöglichkeiten. Menschen mit Migrationshintergrund werden durch medienpädagogische Angebote unterstützt, mit ihrem kulturellen Hintergrund in der neuen Kultur integrativ zu leben. Medienpädagogische Methoden fördern den interkulturellen Dialog, dessen Ziel die gegenseitige Verständigung ist.

7. Pädagogische Ausbildungen:
Ob an Fachschulen, Fachhochschulen oder Universitäten, in allen pädagogischen Ausbildungsgängen ist heute medienpädagogisches Wissen notwendig. Medienerzieherisches, medienanalytisches, mediengestalterisches oder mediendidaktisches Wissen ist für LehrerInnen, ErzieherInnen, SozialpädagogInnen und ErwachsenenbildnerInnen unumgänglich. Medienpädagogische Erkenntnisse sind in allen pädagogischen Studiengängen unabdingbares Basiswissen für das Verständnis von und den Zugang zu Heranwachsenden und die Vermittlung von Medienkompetenz.

8. Medienpädagogik in der Erwachsenenbildung
fördert das lebenslange Lernen durch den didaktisch reflektierten Einsatz von Medien. In allen Bereichen der Erwachsenen- und Weiterbildung ist mediendidaktisches Wissen notwendig, um effiziente Lernprozesse zu initiieren. Dabei wird der kritische, sozialverantwortliche und nutzerfreundliche Umgang mit Medien zur Erschließung relevanter Inhalte vermittelt (z.B. im Online-Learning).

9. Medienpädagogik beachtet die Bedürfnisse der neuen Seniorengenerationen.
Sie zeichnen sich u. a. durch technisches Interesse, Kommunikations- und Gestaltungsfreude und bewusstes Annehmen der Herausforderungen des Alterns aus. Durch altersangemessene Angebote wird diesen spezifischen Interessen entsprochen, indem z.B. Seniorenportale im Internet betreut werden, relevante Fragen dieser Zielgruppe mediengestützt beantwortet werden (Internetberatung) oder der intergenerationelle Dialog durch Medienprojekte gefördert wird.

10. Medienpädagogik versteht sich als „Anwalt“
besonders der Kinder und Jugendlichen. Medienpädagogik leistet durch die Aufklärung von Eltern und PädagogInnen einen Beitrag zum erzieherischen Jugendmedienschutz. Ziel ist es, Heranwachsende in ihrer Identität und ihren Kompetenzen so zu stärken, dass sie sich als gefestigte Persönlichkeiten selbstbestimmt, sicher und verantwortlich in der Medienwelt bewegen. Bei kommunikativen Problemlagen hat Medienpädagogik auch die Aufgabe, Heranwachsende vor entwicklungsbeeinträchtigenden und jugendgefährdenden Inhalten zu schützen.

11. Medienpädagogik betrachtet Medien als Konstrukteure von Wirklichkeit.
Medieninhalte sind inszenierte, symbolische Konstruktionen, die den inneren Aufbereitungslogiken des jeweiligen Mediums entsprechen. Dazu gehören zunehmend Visualisierung, Emotionalisierung, Personifizierung und Skandalisierung. Ziel von Medienpädagogik ist es, die jeweils spezifischen Formen der Wirklichkeitskonstruktion (z.B. geschlechtsstereotype Darstellungen) erkennbar zu machen und in Relation zu nicht medial vermittelten Erfahrungsprozessen zu setzen (wahrnehmungs- und erfahrungsorientierter Ansatz). In diesem Sinne versteht sich Medienpädagogik auch als „politische Bildung“.

12. Medienpädagogik betrachtet Mediennutzer als aktive Rezipienten,
die die Medieninhalte als Spiegel und Katalysator benutzen. In Medieninhalten können Menschen ihre Gefühle, Wünsche, Ängste und Träume entdecken. Diese Chance nutzt die Medienpädagogik, um die fragiler werdenden Identitäten in einer pluralisierten Gesellschaft zu stützen. Medien übernehmen in Prozessen der Identitätskonstruktion vielfältige Aufgaben und erfüllen zahlreiche Bedürfnisse. Solche Prozesse und Bedürfnislagen zu verstehen, zu bewerten und zu begleiten, ist Aufgabe der Medienpädagogik. Beachtenswert ist hierbei, dass individuelle Medienkommunikation (Handy, SMS, Chat, Web 2.0 usw.), Mediennutzungshäufigkeit und Medienkonvergenz zunehmen.

13. Medienpädagogik ist zentrales Element kultureller Bildung,
so wie Medien Teil der Kultur einer Gesellschaft sind. Medien werden hier als vielfältige z.B. dokumentarische, kreative, gestalterisch-künstlerische und partizipative Ausdrucksmittel pädagogisch genutzt. Medienpädagogik verbindet dabei die Sicht auf die Wirksamkeiten der klassischen Künste (z.B. Musik, Theater, Tanz, Literatur) mit dem Blick auf die neuen Produktions- und Reproduktionspotenzialen der technischen Medien. Medienpädagogik hat die kulturelle Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen im Blick. Ästhetischer Genuss ist auch Bestandteil von Medienwahrnehmung und Mediengestaltung.

14. Medienpädagogik fordert Partizipation,
sie engagiert sich für die aktive und verantwortungsvolle Nutzung von partizipativen Medien und Angeboten (z.B. Bürgermedien, Offene Kanäle, Web 2.0 usw.). Medienpädagogisches Anliegen ist es, Menschen mit Hilfe von Medien ein Sprachrohr für ihre verschiedenen Anliegen zu bieten. Diese Ausdrucks- und Kommunikationsmöglichkeiten sollen z.B. Formen von Gegenöffentlichkeit in einer Gesellschaft herstellen, in der Massenmedien eine zentrale Definitionsmacht in Bezug auf Themen und Inhalte innehaben. Ziel ist die Mündigkeit und Emanzipation der NutzerInnen.

15. Medienpädagogik bezieht kritisch Position
gegenüber dem Medienmarkt und seinen problematischen Einflüssen auf Erziehung und Bildung. Medienpädagogische Methoden unterstützen Heranwachsende, fragwürdige Identitätsangebote der Medien zu hinterfragen, manipulatorische Kaufimpulse zu durchschauen und konkreten Problemen (z.B. bei Verschuldung durch e-Commerce) entgegenzuwirken. MedienpädagogInnen wirken in entsprechenden Fachgremien (Beiräten, Kuratorien, Arbeitsgruppen usw.) mit, um ihr spezielles Wissen zur Verfügung zu stellen. Bestandteile medienpolitischen Engagements sind sachlich begründetes Fachwissen und medienethische Argumente.

16. Medienpädagogik ist Medienbildung.
Sie begleitet Menschen im Prozess ihrer Personalisation und (Selbst-)Sozialisation. Zentrales Element von Bildung ist Fähigkeit zur Kommunikation, und das schließt heute notwendig einen kritisch-konstruktiven Umgang mit Medien ein. Außerdem sind Medien ein wichtiger Gegenstand und ein Spiegel menschlicher Kultur. Vermittelt wird Medienbildung auch in medienpädagogischen Broschüren, Publikationen und Internetportalen.

17. Medienpädagogik ist ein Element jeder Didaktik.
Sie nutzt und vermittelt die Möglichkeiten von Multimedia und e-learning. Digitale Medien werden für eine anschauliche Präsentation und angemessene Distribution von Lerninhalten und zur Unterstützung zwischenmenschlicher Kommunikation genutzt. Dabei sind die Medien Werkzeuge für die Entwicklung einer humanen Lernkultur in schulischen und außerschulischen Kontexten und in der Aus- und Weiterbildung.

18. Medienpädagogische Forschung
liefert empirische Daten zu zentralen Fragen der Mediennutzung und -wirkung, der Mediensozialisation und –rezeption sowie der Medienentwicklung. Auf dieses Wissen greifen andere wissenschaftliche Disziplinen (z.B. Kindheits- und Jugendforschung) zurück. Darüber hinaus gewinnt die Erforschung der Wirksamkeit von medienpädagogischen Projekten und medienpädagogischen Materialien durch wissenschaftliche Evaluationen an Bedeutung.