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SpongeBob und Kim Possible ... irgendwie gucken alle dasselbe

Über keine und kleine Unterschiede der Medienrezeption von Kindern mit Migrationshintergrund 

Henrike Terhart/Hans-Joachim Roth

Kinder mit Migrationshintergrund wurden in der Forschung zur Medienrezeption von Migrant/inn/en bislang nicht hinreichend berücksichtigt, da bestehende Studien in der Regel Personen erst ab 14 Jahren einbeziehen. Die Forschung zur Fernsehrezeption von Kindern hat wiederum dem Faktor „Migrationshintergrund“ kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Im Rahmen einer Untersuchungsreihe des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen zu den TV-Lieblingsfiguren von Kindern (Televizion 2006/1) wurde daher eine Studie durchgeführt, die sich der Frage nach den beliebtesten Fernsehfiguren von 8- bis 12-jährigen Kindern mit Migrationshintergrund zuwendet. Im Mittelpunkt standen drei Fragen:

  • Welche TV-Lieblingsfiguren haben Kinder mit Migrationshintergrund?
  • Welche Gründe nennen Kinder mit Migrationshintergrund für die Wahl ihrer TV-Lieblingsfiguren?
  • Was macht Fernsehfiguren für Kinder mit Migrationshintergrund attraktiv?

Hierzu wurden 125 Kinder mit Migrationshintergrund befragt, die im Mittel 9,4 Jahre alt waren. Zum Zeitpunkt der Erhebung besuchten 68% der Kinder die Grundschule und 32% eine weiterführende Schule. Knapp 58% der befragten Kinder haben einen türkischen, polnischen, portugiesischen, italienischen oder russischen Migrationshintergrund. Insgesamt waren 46 verschiedene Migrationshintergründe vertreten.

 

Die TV-Lieblingsfiguren

Über die beliebtesten Figuren im Fernsehen besteht keine Einigkeit: An erster Stelle nennen 14,4% der Kinder SpongeBob Schwammkopf, 5,6% bevorzugen Kim Possible – gefolgt von Bloom (Winx Club) mit 3,2% und Naruto mit 2,4%. Es handelt sich bei den mehrfach Genannten also durchgehend um globalisierte Trickfilmfiguren. Die befragten Kinder geben fast ausschließlich an, ihre Lieblingsfiguren aus dem deutschsprachigen Fernsehen zu wählen, auch wenn sie zum Großteil ebenfalls herkunftssprachiges Fernsehen nutzen. Dieser Befund entspricht den Ergebnissen einer Studie von Granato, in der bei knapp zwei Dritteln der 255 befragten Kinder mit türkischem Migrationshintergrund eine primäre Nutzung deutschsprachiger Sender festgestellt wurde, während ein Drittel deutsch- und herkunftssprachige Medien kombiniert (vgl. Granato 2002). In einer Übersichtsstudie zum Thema „Kinder und Medien” in zwölf europäischen Ländern konnte bei Kindern mit Migrationshintergrund eine komplexe Mixnutzung von Medien des Herkunfts- und Aufnahmelandes, lokaler und globaler Angebote festgestellt werden (vgl. Buckingham 2001). Auch die bestehenden Studien zur Medienrezeption von Menschen mit Migrationshintergrund ab 14 Jahren zeigen, dass der überwiegende Teil jugendlicher und erwachsener Migrant/inn/en deutsch- und herkunftssprachiges Fernsehen kombiniert. [...]

 

Über die Autoren

Dr. phil. Hans-Joachim Roth
Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Interkulturelle Bildungsforschung am Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften der Humanwissenschaftlichen Fakultät an der Universität zu Köln.

Henrike Terhart
Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Humanwissenschaftlichen Fakultät und Doktorandin am Lehrstuhl für Interkulturelle Bildungsforschung an der Universität zu Köln.