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Integrations- und Segregationspotenziale

Digitale Medien und Migration

Andreas Hepp/Laura Súna/Stefan Welling

 

Geteilter Computerbildschirm – getrennte ethnische Welten?

Bezieht man den Titel dieses Buchs – Geteilter Bildschirm – getrennte Welten?  – auf die kommunikations- und medienwissenschaftliche Diskussion um Medien und Migration, so verweist er zuallererst auf die These des „Medienghettos“: Migrantinnen und Migranten würden ausschließlich Medien ihrer ethnischen Gruppe nutzen, weswegen sie kommunikativ von der weiteren deutschen Gesellschaft abgekoppelt wären. Empirische Forschung hat jedoch gezeigt, dass diese These für Massenmedien so nicht haltbar ist (vgl. bspw. Bonfadelli / Moser 2007, Weiß / Trebbe 2001). Gängiges Muster ist vielmehr die Nutzung von deutschen Medien und Medien in der jeweiligen Herkunftssprache.
Wie sieht es dann aber bei digitalen Medien aus, konkret dem Internet und dem Mobiltelefon? Bestehen hier nicht viel größere Gefahren einer Segregation, da durch diese Medien einerseits Ländergrenzen einfach durchschritten werden bzw. sie andererseits ganz andere Möglichkeiten der personalen kommunikativen Vernetzung eröffnen?
Wirft man diese Fragen auf, wie wir es aktuell in zwei Forschungsprojekten machen (siehe www.imki.uni-bremen.de), so wird es nötig, den Begriff der „Integration“ etwas anders zu denken, als man dies im Hinblick auf Massenmedien gemacht hat (vgl. Geißler / Pöttker 2006). Dort ist die Forschung fest verbunden mit der Vorstellung von Massenmedien als Vermittlungsinstanzen für eine nationale, gesamtgesellschaftliche Integration (vgl. Jäckel 2005). Hierbei lassen sich in der Vielfalt der Argumentationen zwei Tendenzen erkennen, wie Medien und Integration begrifflich miteinander verknüpft werden: Erstens kann Integration als kommunikative Homogenisierung, zweitens als die Herstellung kommunikativer und damit auch sozialer Relationen verstanden werden. Trotz solcher Differenzen treffen sich beide Grundverständnisse in der Annahme, dass Massenmedien deshalb ein Integrationspotenzial besitzen, weil sie über eine gesamte Gesellschaft hinweg Kommunikation eröffnen.
Diese Grundannahme ist für digitale Medien allerdings nicht haltbar, da diese prinzipiell nicht auf eine gesamtgesellschaftliche Kommunikation gerichtet sind. Entsprechend liegt es nahe, dass mit der Etablierung der digitalen Medien ein Prozess der Transformation von Formen der kommunikativen Integration und Segregation einhergeht. Um diesen Transformationsprozess angemessen zu fassen, erscheint ein Integrationsbegriff zielführend, der an der Spezifik digitaler Medien ansetzt. So sollte u.E. (kommunikative) Integration in der „Netzwerkgesellschaft“ als kommunikative Vernetzung und darauf gründende Beteiligungschancen verstanden werden (vgl. Hepp 2008). [...]

 

Über die Autoren

Dr. phil. habil. Andreas Hepp
Professor für Kommunikationswissenschaft am IMKI (Institut für Medien, Kommunikation und Information) der Universität Bremen. Forschungsschwerpunkte sind Medien- und Kommunikationstheorie, Mediensoziologie, transnationale und transkulturelle Kommunikation, Cultural Studies, Medienwandel, Medien und Religionswandel, digitale Medien, Methoden der Medienkulturforschung, Medienrezeption/-aneignung und Diskursanalyse.

Laura Sūna
M.A., Mitarbeiterin am IMKI (Institut für Medien, Kommunikation und Information) der Universität Bremen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Medien und Migration sowie Jugend- und Populärkulturen.

Dr. rer. pol. Stefan Welling
Mitarbeiter am ifib (Institut für Informationsmanagement Bremen GmbH) und IMKI (Institut für Medien, Kommunikation und Information) der Universität Bremen. Seine Forschungsschwerpunkte sind Medienbildung Jugendlicher, schulische Medienintegration und qualitative Verfahren empirischer Bildungsforschung.