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Digitale Medien in der Hauptschule

Benachteiligende Verhältnisse und schulische (Medien-)Bildung als Herausforderung

Stefan Welling

Die Integration der digitalen Medien in die Schule wird von unterschiedlichen Motiven geleitet. An prominenter Stelle rangiert die Annahme, dass sich unter Einsatz dieser Medien Lern- und Lehrprozesse nachhaltig verbessern lassen. Vor dem Hintergrund, dass das deutsche Schulsystem nach wie vor in erheblichem Maße zur Reproduktion sozialer Ungleichheiten beiträgt, stellt sich unweigerlich die Frage, ob der schulische Medieneinsatz existierende Ungleichheiten weiter verschärft, oder ob er vielleicht sogar Chancen eröffnet, existierende Benachteiligungen besser zu kompensieren. Im vorliegenden Beitrag gehe ich dieser Frage exemplarisch am Beispiel der Arbeit mit digitalen Medien in der Hauptschule nach. Das erfordert zunächst, den Begriff der Benachteiligung etwas genauer zu betrachten.
Ganz allgemein bezieht sich das Phänomen der sozialen Benachteiligung auf die eingeschränkte Teilhabe an der Gesellschaft im kulturellen, politischen und ökonomischen Bereich, insofern verschiedene Lebensbedingungen mit einem unterschiedlich breiten Zugang zu Ressourcen im ökonomischen, kulturellen und sozialen Sinne einhergehen. Benachteiligung erstreckt sich über ganz unterschiedliche Bereiche, die jedoch in der Regel in komplexer Weise miteinander verbunden sind und die Möglichkeiten und Chancen gesellschaftlicher Teilhabe beeinflussen. Als strukturelle Kategorie unterstreicht der Begriff der Benachteiligung, dass z.B. die Wahl der Schulform eng an Merkmale der sozialen Herkunft geknüpft ist und Bildungs- und Berufschancen stark mit der kulturellen Herkunft zusammenhängen. Dabei wirken verschiedene Faktoren zusammen, wobei insbesondere auf die persönliche Bildungsbiografie, Milieuzugehörigkeiten, den sozialen Status der Herkunftsfamilie, die kulturelle Herkunft und das Geschlecht zu verweisen ist. Vor diesem Hintergrund kann die Hauptschule als Beispiel für strukturelle Benachteiligung im Bildungsbereich betrachtet werden. Denn gerade dort kumulieren häufiger benachteiligende Faktoren, weshalb Hauptschüler/innen insbesondere in sozialen Brennpunkten als bildungsbenachteiligt gelten können (vgl. Wagner u. a. 2008, S. 23; Trautwein u.a. 2007). Dabei ist jedoch zu beachten, dass Benachteiligung als strukturelle Kategorie zwar auf bestimmte Lebenslagen verweist, dies aber nicht für jedes Mitglied der betreffenden Gruppe zutreffen muss, da sozial und bildungsmäßig benachteiligte Gruppen nicht homogen sind (vgl. Niesyto 2007, S. 156). Daher, so Niesyto weiter „besteht vielmehr die Gefahr einer Stigmatisierung ganzer Gruppen, wenn übersehen wird, dass stets individuell unterschiedliche Verarbeitungsweisen von Benachteiligung möglich sind. Dieser Aspekt kommt auch in den Begriffen „benachteiligt“ und „benachteiligend“ zum Ausdruck. „Benachteiligt“ ist relativ statisch, „benachteiligend“ akzentuiert eher das Prozesshafte, die Möglichkeiten, die eine bestimmte Situation für den Einzelnen haben kann, aber nicht determinierend haben muss“ (ebd.). [...]

 

Über den Autor

Dr. rer. pol. Stefan Welling
Mitarbeiter am ifib (Institut für Informationsmanagement Bremen GmbH) und IMKI (Institut für Medien, Kommunikation und Information) der Universität Bremen. Seine Forschungsschwerpunkte sind Medienbildung Jugendlicher, schulische Medienintegration und qualitative Verfahren empirischer Bildungsforschung.