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Armut als Bildungsrisiko

Soziale Veränderungen, Medienpädagogik und Jugendschutz

Hans Joachim von Gottberg

Kein Zweifel: Armut in Deutschland ist zum Problem geworden, auch im Bereich der Bildung. Obwohl Deutschland immer noch eines der reichsten Länder der Welt ist, nehmen die Reallöhne systematisch ab, darüber hinaus steigt die Zahl der Menschen, die trotz erheblichen Bemühens keine bezahlte Arbeit finden. Auch wenn die Politik weiter die Vollbeschäftigung für realisierbar hält, so scheint angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Daten dieses Ziel zumindest in weite Ferne gerückt.

 

Armut – Ursachen und Prognosen

Die sozialen Transferleistungen, durch die in Form von Arbeitslosenhilfe oder der sogenannten Hartz IV-Unterstützung Menschen ohne Erwerbseinkommen durch die unterstützt werden, die Arbeit haben, verhindern bei uns in der Regel, dass Arbeitslosigkeit oder Niedriglöhne zur Existenzbedrohung führen. Spätestens nach Verabschiedung der Agenda 2010 ist jedoch klar, dass diese Transferleistungen in Gefahr geraten, nicht mehr finanzierbar zu sein. Denn immer mehr Erwerbslose müssen von immer weniger Beitragszahlern über immer längere Zeiträume unterstützt werden. Auf Grund der demografischen Entwicklung wird bald der Anteil der Rentner an der Bevölkerung überproportional steigen, wodurch sich die Zahl der Erwerbstätigen noch einmal erheblich reduzieren wird. Praktisch heißt das:  Wenn immer weniger Erwerbstätige immer mehr Leistungsempfänger – soziale  Transferleistungen plus Renten – finanzieren  müssen, dann steigt zwangsläufig entweder die Belastung für den Einzelnen, oder die Beiträge für den Empfänger müssen reduziert werden. Zu hoffen ist, dass der zunehmende Anteil an Rentnern den Arbeitsmarkt entlastet und die Zahl der Erwerbslosen reduziert. Dennoch: Wenn nicht ein Wunder geschieht, werden die Realeinkommen auch in Zukunft weiter sinken. [...]

Zusammenfassend lässt sich die Lage so beurteilen: Voraussichtlich wird sich das Problem der Armut in Deutschland eher verschärfen als verbessern. Das hat Folgen für den gesamten Bildungsbereich, nicht zuletzt auch für die Medienpädagogik.

 

Bildungsgrad und Erwerbschancen

Die wirtschaftliche Situation in Deutschland lässt sich vor allem dadurch deutlich verbessern, dass in unserem Land geforscht, erfunden und entwickelt wird. Darüber herrscht Einigkeit. Ist die Entwicklung eines neuen, innovativen  Produktes erst einmal soweit, dass es in die Massenfertigung gehen kann, wird es nicht mehr lange dauern bis die Fertigungsprozesse in  Niedriglohnländer verlegt werden können. Das bedeutet zum einen: Forschung und Bildung müssen wir mit allen Mitteln unterstützen, denn nur hier liegen wirtschaftliche Entwicklungschancen. Auf der anderen Seite heißt es aber auch: Diejenigen, die auf Grund mangelnder Ausbildung und Qualifikation nur einfache Fertigungs- oder Dienstleistungsaufgaben übernehmen können, die letztlich auch in Billiglohnländern ausgeführt werden können, haben ein besonders hohes Risiko erwerbslos zu werden. Je besser wir die heranwachsende Generation ausbilden, desto größer sind die wirtschaftlichen Entwicklungschancen sowohl für das Land als auch für den Einzelnen. [...]

 

Über den Autor

Prof. Joachim von Gottberg
Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen e.V. (FSF) in Berlin, wo er für die privaten Sender ein ähnliches freiwilliges Kontrollsystem aufbaut, wie es sich im Kino- und Videobereich bewährt hat. Seit 1997 ist er Chefredakteur der Fachzeitschrift tv diskurs. Vizepräsident des Deutschen Kinderhilfswerks.