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Digital Divide - noch aktuell? Eine Diskussion

Hans Moser/Horst Niesyto

Heinz Moser und Horst Niesyto, beide Vorstandsmitglieder der Kommission Medienpädagogik in der DGfE, diskutieren im nachfolgenden Beitrag die Frage nach dem Digital Divide und wie sich Medienpädagogik und Medienbildung dazu verhalten sollen. In ihren Diskussionsbeiträgen werden neben einer grundsätzlichen Übereinstimmung auch unterschiedliche Akzentuierungen deutlich. Zwischen Selbstsozialisation und expliziten Konzepten einer umfassenden Kompetenzförderung leuchten die beiden Gesprächspartner Möglichkeiten und Grenzen medienpädagogischen Handelns aus.

Heinz Moser: Seit einiger Zeit ist die Frage des Digital Divide in der Medienpädagogik zu einem stärker diskutierten Thema geworden. So haben wir von der Kommission Medienpädagogik der DGfE sowohl auf dem Kongress der DGfE in Dresden (März 2008) als auch auf dem GMK-Forum in Rostock (November 2008) Arbeitsgruppen und Workshops dazu veranstaltet, welche gut besucht wurden.
Dennoch empfinde ich die Diskussion um den Digital Divide in mancher Hinsicht zwiespältig. Denn es werden hier die Muster der Chancengleichheitsdiskussion der Bildungsreformen des letzten Jahrhunderts wieder aufgenommen. Als Ziel steht der mündige Bürger, welcher mit Medien seine eigenen Interessen durchzusetzen vermag und imstande ist, Medienbotschaften und -texte kritisch zu reflektieren. Doch kann das geleistet werden, wenn die Auseinandersetzung mit dem Digital Divide in erster Linie heisst, allen Kindern Zugang zu Computern in der Schule oder in außerschulischen Einrichtungen zu vermitteln? Oder anders formuliert: Auch wenn Computer flächendeckend in den heutigen Haushalten stehen (die JIM-Studie von 2008 belegt eine beinahe hundertprozentige Sättigung der Geräteausstattung), so muss dies noch keinen „mündigen" Gebrauch der Medien bedeuten. Ebenso unsicher erscheint mir, dass dadurch die Beteiligungschancen an gesellschaftlichen Prozessen erhöht werden. Zwar bestehen dazu die Voraussetzungen; doch ob diese Chancen auch genutzt werden (können), steht auf einem ganz anderen Blatt. Die Motivation, sich an Blogs zu beteiligen, sich in Foren zu äußern oder eigene Filme in YouTube zu präsentieren, erfordert mehr als technischen Zugang zu Geräten.

Horst Niesyto: Zweifelsohne ergibt sich aus dem Vorhandensein von technischen Zugängen und Geräten nicht automatisch eine aktive Nutzung dieser Möglichkeiten. Auch wäre es eine Illusion davon auszugehen, Chancengleichheit in erster Linie durch besseren Zugang zu Computern in Schulen und außerschulischen Einrichtungen zu erreichen. Ungleichheiten – auch im Medienumgang – verweisen zunächst einmal auf vorhandene wirtschaftliche, soziale, kommunikative und bildungsbezogene Problemlagen und Klüfte. Dennoch bin ich der Auffassung, dass es falsch wäre, Fragen des Zugangs zu Medien zu übergehen. Trotz einer Angleichung beim Gerätebesitz und beim Zugang zu digitalen Medien bei Jugendlichen mit unterschiedlichem formalem Bildungshintergrund ist nicht zu übersehen, dass in Zugangs- und Ausstattungsfragen nach wie vor Unterschiede bestehen. [...]

 

Über die Autoren

Prof. Dr. Heinz  Moser
Leiter der Abteilung Unterrichtsprozesse und Medienpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Zürich und Honorarprofessor für Medienpädagogik an der Universität Kassel. Er ist geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift MedienPädagogik und Vorsitzender der Sektion Medien- und Umweltpädagogik der DGfE.

Prof. Dr. Horst Niesyto
Lehrt an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg Erziehungswissenschaft / Medienpädagogik. Arbeitsschwerpunkte: Medienpädagogik und soziokulturelle Unterschiede, interkulturelle Medienpädagogik, Filmbildung, ästhetisch-symbolische Fragen in Bildungsprozessen, medienpädagogische Praxisforschung, visuelle Forschungsmethoden.