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Dieter Baacke Preis

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Medienpädagogik, Medienbildung, Medienkompetenz

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Geteilter Bildschirm - getrennte Welten?

Bernward Hoffmann/Hans-Joachim Ulbrich

Ein „geteilter“ Bildschirm kann miteinander geteilt oder in mehrere Fenster oder Funktionen aufgeteilt sein. Die Frage ist, ob ein wie auch immer geteilter Bildschirm zu getrennten Welten der Nutzer führt oder ob es nicht vielmehr die getrennten Lebenswelten sind, die zu einer Trennung auch in der Art der Medienrezeption und damit auch -wirkung führen. Beides hat Auswirkungen auf Konzepte der Medienpädagogik und Medienbildung.
Die vor dem Fernseher vereinte Familie empfängt gemeinsam die Weltbotschaften … Gab es das jemals? Oder ist das ein eher verklärendes Bild zum Zwecke der Beschwörung guter alter Zeiten?  Wer hat früher den Bildschirm miteinander geteilt, der uns heute teilt, wenn nicht trennt?
Eines ist offensichtlich, die viel beschworene Globalisierung – vor allem der Märkte – hat nicht zur Harmonisierung der Lebensbedingungen geführt, sondern zu einer verschärften Trennung in Teilhaber der technischen und ökonomischen Entwicklung und Nichtteilhaber in meist südlichen Erdregionen, aber auch innerhalb der westlichen Kernländer. Die Differenzierungen haben sowohl vor als auch hinter dem Bildschirm stattgefunden. Sitzen Einzelnutzer noch zufällig gemeinsam vor einem TV-Gerät, geschieht das eher aus Langeweile oder Zeitvertreib. Allenfalls Fußballübertragungen oder Wetten dass schaffen noch eine Quote, die über die 30%-Marke der Zuschauerbeteiligung in Deutschland hinausgeht; Dokumentationen und Informationssendungen erreichen kaum mehr die 10%-Marke (vgl. Zubayr / Gerhard 2009). Die Menschen nutzen das Medium Fernsehen, nutzen alle Bildschirmmedien in ihrer Lebenswelt und entsprechend ihrer Motivationen sehr unterschiedlich: Erwachsene anders als Kinder; Frauen anders als Männer; in Deutschland Geborene anders als Menschen anderer Nationen in Deutschland; auf dem Land anders als in der Stadt; Höher-Gebildete anders als Menschen mit anderen Interessen und Fähigkeiten; Angehörige verschiedener Schichten unterschiedlich ...
Dabei ist es ein charakteristisches Detail, dass man in aktuellen Sehgemeinschaften eines „Public Viewing“ eher fluchtbereit steht als beharrlich sitzt. Auch wenn dieser Gemeinschaft wegen der fahnenschwenkenden Glückseligkeit oder geteilter Wut und Trauer ein neugeborenes Nationalbewusstsein angedichtet wird, zeigt sich hier eher „die einsame Masse“ eines David Riesman (1958) als eine bewusste soziale Gemeinschaft .
Der in Sparten, Programme, Sender, Geschmacksrichtungen (manchmal auch –Verirrungen) geteilte Bildschirm trifft auf getrennte soziale, politische, ethnische usw. Welten der Nutzer. [...]

 

Über die Autoren

Prof. Dr. Bernward Hoffmann
Professor für Medienpädagogik an der Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen. Schwerpunkte der Arbeit: Diverse Varianten praktischer Medienarbeit mit alten und neuen Medien; Mediennutzung und soziale Benachteiligung bzw. soziale Problemlagen; Kinder- und Jugendmedienschutz; Lernen mit neuen Medien.

Dr. Hans-Joachim Ulbrich
institut für neue medien Rostock, Projektleiter; Studium Philosophie und Soziologie, Abschluss Diplom an der Universität Leipzig; Dr. phil. am Zentralinstitut für Jugendforschung Leipzig; Forschungsgruppenleiter Akademie der Wissenschaften Berlin; freier Autor und Regisseur – Reportage, Biographie, Hörspiel, Dokfilm, CD-ROM; Lehre an Universitäten und Hochschulen; Gutachter der Nationalen Agentur Bildung für Europa (Leonardo); Mitglied des Bundesvorstandes der GMK; Sprecher der GMK-Regionalgruppe Mecklenburg-Vorpommern.