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Dieter Baacke Preis

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Medienpädagogik, Medienbildung, Medienkompetenz

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Das Webblog der GMK!

gmkblog.de

Grußwort Henry Tesch

In Wikipedia findet man unter dem Stichwort GMK:
„Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Fachleuten aus den Bereichen Bildung, Kultur und Medien. Die GMK will die Medienpädagogik und Kommunikationskultur in der Bundesrepublik fördern und verantwortlich mitgestalten. Sie nimmt Einfluss durch regelmäßige Fachtagungen, bundesweite, landesweite und regionale Expertennetzwerke und zahlreiche Buchpublikationen.“
Als „medienkompetenter Minister“ habe ich gelernt, dass die Publikationsschwelle in Wiki‘s sehr niedrig ist und man die Informationen aus dem Netz nur unter Vorbehalt glauben darf.
Der einfachste Weg diese Informationen zu prüfen, erschien mir daher, das 25. GMK-Forum nach Mecklenburg-Vorpommern in die Hansestadt Rostock einzuladen.

Auf dem angenehm überschaubaren Wikipedia-Eintrag findet sich auch ein Link zum 1. Vorsitzenden der GMK, Prof. Norbert Neuß, ein weiterer Link führt zu einem Bild des ersten Vorsitzenden. Vor einigen Minuten habe ich das Bild mit dem Original verglichen und darf sie, Herr Prof. Neuß, ebenfalls recht herzlich begrüßen.

Die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen wird nachweislich von neuen Medien sowie Informations- und Kommunikationstechnologien beeinflusst. Dabei erfolgt eine zunehmende Verschmelzung mit audiovisuellen Medien zu immer komplexeren Mischformen. Die Medienkonvergenz ist eines der Stichworte heutiger Mediendiskussionen.
Bilder werden per Handy ausgetauscht, selbst Filme per Handykamera gestaltet. Instant Messenger gehören zu den wichtigsten Kommunikationsanwendungen bei Kindern und Jugendlichen. Aus Heimcomputern sind Multimedia-PC’s geworden. DSL-Anschlüsse und Flatrates ermöglichen eine multimediale Kommunikation, die noch vor wenigen Jahren undenkbar war.
Die „digitale Revolution“ stellt Elternhaus und Schule vor ganz neue Herausforderungen, in denen allein die Orientierung bei der anhaltenden Dynamik der Entwicklung und Verbreitung neuer Technologien schon unmöglich scheint.
Unter der Rubrik Medienbindung wird in der aktuellen Studie „Jugend, Information und (Multi-)Media“ (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hrsg.) (2008): JIM-Studie 2008. Jugend, Information, (Multi-)Media. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Stuttgart) nach den Medienangeboten gefragt, auf die die Jugendlichen am wenigsten verzichten können. Hier stehen Computer und Internet an erster Stelle. Abgeschlagen sind Zeitschriften und Zeitungen – das heißt, auch das Mediennutzungsverhalten hat sich deutlich gewandelt.
Ich möchte mich noch einem weiteren Aspekt zuwenden. Die Weiterentwicklung des Internets zum sogenannten Web 2.0 hat aus einer Einbahnstraße eine interaktive Plattform gemacht, bei der jeder Nutzer problemlos Inhalte einstellen und mit anderen in einem „Social-Network“ tauschen kann. Ob kurze Nachrichten oder längere Texte, Fotos, Videos, Musik, Podcast, Blogs und eben Wiki‘s – nie war die Publikationsschwelle so niedrig wie heute.
Neben den Chancen diese neuen Möglichkeiten nicht nur zu nutzen, sondern die Entwicklungen auch aktiv zu gestalten, sind aber auch die Risiken gestiegen.
Der in der PISA Studie aufgedeckte Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb kann sicherlich auch auf die Medienkompetenz übertragen werden, auch wenn diese nicht explizit untersucht wurden.
Die Lesekompetenz wird als notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme am gesellschaftlichen Leben angesehen. Die Aneignung von Wissen basiert auf Informationen, die zu einem überwiegenden Teil mit Hilfe von Texten – auch online – übertragen werden. Defizite in der Lesekompetenz, denen wir in Mecklenburg-Vorpommern zu begegnen haben, ziehen Defizite in der Wissensaneignung nach sich.
Wenn man den Textbegriff auf Medientexte erweitert, werden die Herausforderungen vor denen wir stehen, Kinder und Jugendliche beim Erwerb von Medienkompetenz zu unterstützen, nicht kleiner.

Ich freue mich, dass das 25. GMK-Forum Kommunikationskultur „Geteilter Bildschirm – getrennte Welten“ sich mit dieser Entwicklung offensiv auseinandersetzen wird und bin gespannt auf die „Konzepte für Pädagogik und Bildung“ die in den zahlreichen Workshops vorgestellt und diskutiert werden.

Wenn man ein solches hochkarätiges Forum ins Land holt, dann hat man nicht nur die erfreuliche Aufgabe, Expertinnen und Experten der Medienpädagogik sowie zahlreiche Gäste zu begrüßen sondern man stellt auch automatisch die eigenen Aktivitäten auf dem Gebiet der Medienerziehung auf den Prüfstand.
Ich denke, hier brauchen wir uns nicht zu verstecken.

Mit der Landesinitiative „Neue Medien, Schule und Unterricht“ haben wir in den Jahren 2001 bis 2005 eine Weichenstellung zur Nutzung interaktiver Medien im Unterricht vollzogen. Erfahrungen aus dieser Landesinitiative sind in den Rahmenplan Medienerziehung eingeflossen, der in Form von Leitthemen und Unterrichtsprojekten Möglichkeiten zum integrativen Erwerb von Medienkompetenz beschreibt und dabei sowohl die audiovisuellen als auch die interaktiven Medien berücksichtigt.
Der Schulversuch „Schulische Medienbildung in M-V“, der in diesem Jahr an neun Schulen gestartet wurde, soll den Rahmenplan mit weiteren konkreten Medienprojekten und Unterrichtsbeispielen untermauern und auch der zunehmenden Medienkonvergenz Rechnung tragen.
Um eine nachhaltige Entwicklung zu sichern wird das Medienpädagogische Zentrum aufgebaut und mit den Einrichtungen der Lehrerbildung sowie den externen Partnern vernetzt. Eine Wirksamkeit in der Fläche wird durch die vier Medienpädagogischen Berater an den Staatlichen Schulämtern gesichert.
Schulen können ein eigenes Profil entwickeln, in dem die Medienerziehung eine zentrale Rolle spielt und den Titel „Multimedia-Schule“ erwerben.
Gerade hier schafft die Reform zur Selbstständigen Schule, die wir uns mit der Novellierung des Schulgesetzes vorgenommen haben, die dazu notwendigen Freiräume.

Medienerziehung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und ohne Partner nicht zu leisten. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen, um der Landesarbeitsgemeinschaft Medien für ihr unermüdliches Engagement in der außerunterrichtlichen Medienerziehung zu danken. Mein besonderer Dank gilt dem Institut für neue Medien (hier möchte ich Frau Manuela Kämmerer besonders hervorheben, die auch die Leitung des Schulversuches übernommen hat), der Landesrundfunkzentrale mit den Offenen Kanälen und dem Landesjugendring um nur einige zu nennen.
Ausdruck der gewachsenen Aktivitäten an den Schulen ist auch die Teilnahme an Medienwettbewerben. So wurden in diesem Jahr bei der Premiere zum Medienkompetenzpreis der Landesrundfunkzentrale und des Bildungsministeriums bereits 24 Medienprojekte eingereicht. Mich hat ebenfalls beeindruckt, welches Spektrum die einzelnen Medienprojekte abdeckten, so dass es niemanden verwunderte, dass die Jury zwei Preisträger ermittelte.
Die Grundschule Matzlow überzeugte mit dem Internetprojekt Adler in MV und das Regio Gymnasium Neubrandenburg mit seinem ehrgeizigen Radioprojekt Unglaublich-Frech.

Als ein besonderes Beispiel erfolgreicher Kooperation schulischer und außerschulischer Partner möchte ich das Projekt Fernsehen als Mittel praktischer Medienarbeit in Schulen nennen. Hier ist es durch die Zusammenarbeit mit Lehramtsstudenten der Universität Rostock, dem Rostocker Offenen Kanal, der Medienpädagogischen Beraterin des Staatlichen Schulamtes Rostock sowie Lehrern und Schülern von vier Gymnasien der Region gelungen, ein umfangreiches medienpädagogisches Projekt über ein Schulhalbjahr umzusetzen. Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit war das Filmprojekt Auf die Straße! Nach Ostrava des Ostseegymnasiums Rostock. Dieser Film konnte auch die Jury des Bundeswettbewerbes Kinder zum Olymp überzeugen und gewann in der Sparte „Film und neue Medien“ den ersten Preis.

Ich glaube, dass ein Ziel bei allen Medienprojekten auf jeden Fall erreicht wurde, nämlich den Spaß am Radio- oder Filmemachen zu entdecken oder die Freude, eigene Themen im Internet zu dokumentieren und anderen verfügbar zu machen.
Für Schulen stellen die unterschiedlichen Medien und Medienanwendungen ein großes Potential dar. Medien ermöglichen nicht nur, den Schülern und ihrer Lebenswelt näher zu kommen, sondern auch die thematische und technische Vielfalt für Lern- und Lehrprozesse sinnvoll einzusetzen, zur Diskussion zu stellen, zu bewerten oder eben auch selber zu gestalten.
Wenn wir auch in einer Medienwelt leben, wo nur die negative Schlagzeile eine gute Schlagzeile zu sein scheint, zeigen solche Projekte, wie viel Potential für das schulische Lernen in den verschiedenen Medien stecken und wie kreativ unsere Schülerinnen und Schüler mit ihnen umgehen.