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"Die haben sich ganz schön was einfallen lassen!" - Proteste gegen G8 im NDR-Fernsehen

Drei Tage Fernsehen total – auch für den NDR-Landessender

Michael Schmidt

Zwischen dem 6. und 8. Juni 2007 fand in Kühlungsborn und Heiligendamm, Rostock und Laage der größte Medienauflauf in der Geschichte von Mecklenburg-Vorpommern statt. Von ARD und NDR sorgten insgesamt ca. 400 Beschäftigte für eine Berichterstattung rund um die Uhr. Allein aus Landesfunkhaus M-V kamen etwa 120 Berichte – von der Filmnachricht im Nordmagazin bis zum Hintergrundbericht in den Tagesthemen. Außerdem wurden diverse Live-Schalten zu allen Tageszeiten produziert und zwei längere Filme (30’ und 45’). Zudem war der NDR verantwortlich für das so genannte „Weltbild“ – also das permanente Senden von Material und Berichten. Während des Gipfels am Standort Kühlungsborn wurde ein eigenes Archivsystem installiert.
Insgesamt also: Fernsehen total. Nicht zuletzt wegen der föderalen Struktur der ARD (etliche Teams kamen extra aus den Ländern und Ereignisse waren deshalb oft mehrfach besetzt …) war der Auflauf unübersehbar.
Zum totalen Zeitdruck kam ein nicht minder starker Erwartungsdruck (Wer hat die ersten Bilder? Wer hat die besten Bilder – ist am „dichtesten“ dran?). Gelegenheit zur Reflexion der Ereignisse und des Geschehens war so gut wie nicht vorhanden.

Es ist in der Berichterstattung zu unterscheiden zwischen Sendungen in der ARD und dem Programm im NDR (3. Programm / Landesprogramm M-V). Im Landesprogramm wurde über Aktionen gegen G8 teilweise ausführlicher berichtet als über die Verhandlungen der G8-Staatschefs. Von vornherein war geplant: Die Aufgabe des Nordmagazins ist es nicht, die „Weltpolitik“ darzustellen, sondern Auswirkungen des Treffens auf das Land und seine Bewohner, alltägliche Geschichten aufzuspüren, alternative Veranstaltungen zu zeigen. Im regionalen Nordmagazin war eine „Regionalisierung“ der Themen gefordert. Bereits im Vorfeld wurde z.B. über Campvorbereitungen usw. berichtet. Die Berichterstattung im Nordmagazin hatte dem Zuschauerprofil zu entsprechen (Weltpolitik schauen diese Zuschauer anderswo). Für die Redakteure / Redakteurinnen und Reporter / Reporterinnen vor Ort wurde das oft zur Gratwanderung: einerseits die Zulieferungspflicht gegenüber ARD aktuell und andererseits ein eigenes Magazin. Häufig wurden Kräfte abgezogen und die aktuelle Planung komplett umgestoßen. Die stündlichen Sendungen in NDR und ARD brachten eine ständige Hatz nach Neuigkeiten mit sich (Anforderung der ARD: auf keinen Fall am Tag zweimal denselben Beitrag senden!). Mit leitenden Redakteuren die „eingeflogen“ waren, kam es hin und wieder zu Diskussionen zum Verständnis der laufenden Ereignisse. Gerade vor dem G8-Treffen war die Meinung vielfach verbreitet: Protest = Randale und Gewalt. Vorzugsweise wurde G8 in Genua bemüht und an den toten Demonstranten erinnert – aber nicht an die Schuldigen, die in Reihen der Polizei zu finden waren. Ergo: z.T. sind das die üblichen Debatten die „alten“ Konflikte zwischen Tischredakteuren und Reportern. Vorteil im Nordmagazin: zumeist stellten die Reporter auch selbst die Beiträge fertig. [...]

 

Über den Autor

Michael Schmidt
Jahrgang 1954; Studium der Journalistik, 1974 bis 1978 in Leipzig, danach Publizistik (bis 1982) und Aktuelle Kamera bzw. (ab Ende 1989 bis Ende 1991) AKzwo und Spätjournal; seit 1992 NDR Landesfunkhaus M-V, Ostseestudio Rostock als Redakteur und Reporter; Arbeitsschwerpunkte u.a. maritime Wirtschaft, wirtschaftliche Beziehungen zu Russland, Rechtsextremismus; hat als Reporter über G8 in Heiligendamm berichtet.