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Transkulturelle Filme und ihre Rezeption - Bollywood und jugendliche Migrant/inn/en

Florian Krauß

Im Zuge des „Bollywood-Booms“ in der angelsächsischen Welt schwappte das kommerzielle Hindi-Kino Anfang und Mitte der 2000er Jahre auch in deutsche Mainstream-Nischen. Verschiedene Stimmen haben besonders Migrant/inn/en und/oder Moslems als wichtige Bollywood-Zielgruppe in Deutschland ausgemacht (vgl. Ritter 2006, Roxborough 2006, Wierth 2006), ohne diese Behauptung näher belegen zu können. Wie und ob Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund diese Filme tatsächlich rezipieren, beleuchtet meine qualitative Rezeptionsstudie. Sie tangiert auch die umfassenderen Fragen, inwieweit sich Medienpräferenzen ethnisieren lassen und wie eine Zuschauerforschung aus einem transkulturellen Blickwinkel aussehen mag. Erste Zwischen- und Teilergebnisse diskutiere ich hier im Bezug auf das Filmbeispiel Rang De Basanti (Junge Rebellen, Indien 2005, R: Rakesh Omprakash Mehra).

Methodische Überlegungen

Anstatt die Befragten von vornherein in ethnische oder religiöse Kollektive zu pressen, habe ich ein Stadtgebiet, den Norden von Berlin-Neukölln, als Ausgangspunkt für ein heterogenes Sample gewählt. Diese Herangehensweise zielt bewusst nicht auf pauschale und abgeschlossene Antworten ab, sondern akzentuiert den Einzelfall. Denn den Migranten gibt es nicht. Allzu leicht werden (Fremd-) Beschreibungen zu einer „Folklore des Halbwissens“, die Migrant/inn/en per se mit bestimmten Eigenschaften wie etwa Religiosität/Islam, konservativen gender values oder eben auch einer Vorliebe für „exotische“ Familiendramen aus Indien assoziiert. In diesen seien „Regelverstöße möglich, ohne die Tradition ganz aufzugeben“, hat zum Beispiel Wierth (2006) in der taz gemutmaßt. „Das mag für manches muslimische Mädchen die indischen Filme reizvoll machen.“
In diesem Zusammenhang gilt es auch, eine stereotype Sicht auf „Bollywood“ zu vermeiden. Dieser Begriff umfasst nicht, wie fälschlicherweise häufig angenommen, indisches Kino im Allgemeinen, sondern nur kommerzielle Hindi-Filme ( vgl. Schneider 2007). Diese sind wiederum heterogener, als es die „Bollywood-Formel“ in deutschen Mediendiskursen von „kitschige[n] und farbenfrohe[n] Liebesfilme[n] mit großen Emotionen und vor allem viel Tanz und Gesang“ (Molis 2007, S. 54) vermuten lässt. Neben romantischen Familienmelodramen weist das Hindi-Kino andere Ausprägungen wie etwa Action- oder Historienspektakel auf, und häufig vermischt es unterschiedliche kulturelle Einflüsse und Genres. Auf Grund dieser Hybridität, aber auch wegen seiner globalen Verbreitung stellt es eine transkulturelle Populärkultur dar. Hindi-Filme erfreuen sich in zahlreichen asiatischen, osteuropäischen und afrikanischen Staaten sowie in Teilen des Nahen Ostens seit Jahrzehnten großer oder zumindest relativer Beliebtheit (vgl. Eleftheriotis/Iordanova 2006, Kaur/Sinha 2005). Manchen Einwanderergruppen in Deutschland ist diese Filmkultur also vermutlich aus ihren Herkunftsländern oder durch ältere Generationen bekannt. Für die meisten der befragten Neuköllner Jugendlichen, Kinder und junge Erwachsenen im Alter von 11 bis 24, die fast alle in Deutschland aufgewachsen sind, hat meinen Erhebungen zufolge allerdings vor allem ein „mehrheitsdeutscher“ TV-Kanal die Sicht auf Bollywood geprägt: RTL 2. [...]

 

Über den Autor

Florian Krauß
Promotionsstipendiat im Studiengang „Medienwissenschaft: Analyse, Ästhetik, Publikum“ an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg, Promotionsprojekt „Bollywood als transkulturelles Kino in der Rezeption von Migrant/inn/en“ (AT); verschiedene Artikel und Lehrveranstaltungen zum kommerziellen Hindi-Film.