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"Ich glaub', das soll lustig sein"

Wie Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund mit humorvoll gebrochenen ethnischen Klischees in Fernsehserien umgehen

Elke Schlote

In der hier vorgestellten Studie zu den Serien Türkisch für Anfänger (ARD) und Alle lieben Jimmy (RTL) standen folgende Fragen im Mittelpunkt: Wie beurteilen Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund diese Familienserien, in denen Stereotype über Deutsche und (Deutsch-)Türken im Zentrum der Humorproduktion stehen? Welche Szenen und Figuren finden die Jugendlichen lustig, welche nicht? Wie verstehen sie den Humor, der mit der Brechung von Stereotypen spielt? Beide Serien lassen sich dem Genre der „Ethno-Comedy“ zuordnen, in denen ethnische und kulturelle Unterschiede und Missverständnisse fast durchgängig Thema sind (vgl. Keding/Struppert 2006). Die Humorproduktion in Türkisch für Anfänger und Alle lieben Jimmy ist insofern vergleichbar mit Sendungen wie Was guckst du? mit Kaya Yanar (Sat.1), weil sich durch das Lachen über die überzeichneten Figuren mal aus der einen ethnischen Gruppe, mal aus der anderen ethnischen Gruppe im besten Fall eine mehrkulturelle Ingroup konstituieren kann (vgl. Kotthoff 2004). Ethnisches Scherzen kann jedoch auch dazu benutzt werden, um Gruppen auszuschließen und zu verlachen.

In beiden Serien werden allgemein bekannte Generalisierungen über „Deutsche“ und „Türken“ humorvoll aufs Korn genommen, wie z.B. (Über-)Korrektheit und Sturheit bzw. männliches Machotum oder (übertriebenes) Ehrgefühl. Im deutschen Fernsehprogramm von Daily Talks und Soaps, Gerichtsshows und Boulevardmagazinen dominieren bei Figuren mit Migrationshintergrund oft negative Stereotype des (männlichen) Türken in Rollen vom Macho bis hin zum Kriminellen bzw. des „Opfers der Umstände“ (vgl. Schorb 2000; Dorer/Marschik 2006; Schiffer 2008). Vor diesem Hintergrund ist es besonders interessant, wie deutsch- und türkischstämmige Jugendliche eine humorvoll gebrochene Darstellung solcher und anderer Typisierungen verstehen.

Comedyprogramme sind nach Daily Soaps ein Lieblingsgenre von Jugendlichen (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2006). Ein breites Angebot an Humorsendungen bedient diese Programmpräferenz. Die Sender ProSieben und RTL sind, was die Quantität und Beliebtheit der gesendeten Comedy-Formate angeht, führend (vgl. Knop 2007). Diese Sender stehen auch in der Gunst der Jugendlichen mit Migrationshintergrund ganz oben (vgl. ARD/ZDF-Medienkommission 2007, Simon/Kloppenburg 2007).

Anders als „Ethno-Comedys“ wie Was guckst du? bestehen Türkisch für Anfänger und Alle lieben Jimmy nicht aus einer Aneinanderreihung von Sketchen, sondern es handelt sich um Serien-Geschichten mit Figuren, in denen sich jugendliche Zuschauer/innen auch wiederfinden sollen. In Türkisch für Anfänger dominiert die Perspektive der 16-jährigen deutschstämmigen Hauptfigur Lena, die ihren türkischstämmigen Familienzuwachs zunächst vehement ablehnt. Der 18-jährige türkischstämmige Jimmy aus Alle lieben Jimmy ist als smarter Sympathieträger inszeniert, der in seiner Freizeit am liebsten mit seinem (deutschen) Kumpel Ben unterwegs ist. Gerade fiktionale Formate können die Auseinandersetzung mit Kulturen und Werten und der eigenen kulturellen Identität von Jugendlichen fördern (vgl. Hoffmann 2006). Zu fragen ist, was sich Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund aus diesen beiden Serien für sich „herausnehmen“. [...]

 

Über die Autorin

Dr. phil. Elke Schlote
Lehramtsstudium Deutsch/Biologie, wissenschaftliche Redakteurin im Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), München. Sie ist Projektleiterin für Studien in den Forschungsschwerpunkten „Bildungsfernsehen“ und „Migration/Diversity“ sowie zuständig für die Redaktion der Fachzeitschrift Televizion.