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Niesyto, Horst: Zur Kooperation von außerschulischer Medienarbeit mit Schule.

Nexum: Juni 2003/ Heft 10

Der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit bläst heute vielerorts ein eisiger Sparwind ins Gesicht: Kommunen, Verbände und Kirchen haben weniger Geld, Stiftungen reduzieren Fördermittel, privates Sponsoring ist erheblich zurückhaltender geworden. Der Beschluss der Bundesregierung, vier Milliarden Euro in den Ausbau von Ganztagsschulen und andere Ganztagsangebote zu investieren, ließ bei außerschulischen Bildungseinrichtungen Hoffnungen aufkeimen. Nicht wenige dieser Einrichtungen sehen in der Kooperation mit Schulen, insbesondere in der Entwicklung von Nachmittagsangeboten für Schüler/innen, eine Chance, eigene Arbeitsansätze fortführen und neue Zielgruppen erschließen zu können.

Gegenseitige Vorbehalte

Die außerschulische Medienarbeit hatte in der Vergangenheit ein eher distanziertes Verhältnis zur schulischen Bildung. Zwar gab es schon immer Einrichtungen, die vor allem im Rahmen von Projektwochen mit Schulen erfolgreich kooperierten. Hier konnte der »Königsweg« der Medienpädagogik, der aktiv-produktive Umgang mit Medien, jenseits eines engen Stundenkanons und meist frei von Benotungen praktiziert werden. Engagierte Lehrer/innen griffen diese Möglichkeit gerne auf, um andere Themenfelder und Lernformen verstärkt zu erschließen. Doch es gab (und gibt) Vorbehalte – auf beiden Seiten. So befürchten Mitarbeiter/ innen in der außerschulischen Medienarbeit eine Verwässerung des Prinzips der Freiwilligkeit (bezüglich Themenwahl, Ausdrucks- und Arbeitsformen), eine »Didaktisierung« außerschulischer Angebote und eine schleichende Einführung von Leistungs- und Zertifikatszwängen. Auf Seiten der Lehrerschaft zögern viele, sich in neue Themenfelder einzuarbeiten, oder sie zeigen aufgrund sehr medienkritischer Grundhaltungen wenig Bereitschaft, sich auf Formen einer handlungsorientierten Medienarbeit einzulassen.

Öffnung von Schule und Kooperation im Interesse von jungen Menschen

Die aktuellen Sparzwänge sind ein äußerer Anlass, diese Haltungen und Positionen zu überdenken. Pädagogisches Ressortdenken hat tiefere Wurzeln. Die aktuelle Finanzkrise birgt auch Chancen, neue Wege verstärkt zu beschreiten. Die letzten Jugendhilfeberichte, eine gemeinsame Stellungnahme des Schulausschusses der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und der Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe (AGJ), ähnliche Stellungnahmen sowie beginnende Strukturreformen bezüglich der Kooperation von Jugendhilfe und Schule auf Länderebene markieren wichtige Orientierungspunkte und Leitlinien. Die zentrale Frage ist die nach dem Bedarf und dem Profil von Bildungsangeboten für Kinder und Jugendliche – und nicht die nach Anpassung von Bildungsangeboten an bestehende Finanzierungsstrukturen. Reflexion bisheriger Angebotsstrukturen und Flexibilität sind auf beiden Seiten – bei Schule und Jugendhilfe – notwendig. Das Bildungsmonopol liegt nicht allein bei Schulen. Notwendig sind konsequente Schritte der Schule in die Gesellschaft und in lokale Sozialräume hinein. Die Türen von Klassenzimmern haben sich zu öffnen, gesellschaftliche Ressourcen sind für Bildungsprozesse viel konsequenter zu erschließen. Nicht das ob, sondern das wie der Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe ist die Frage – und: die Kooperation muss von beiden Seiten gewollt sein!

 

Partnerschaftliche Kooperation und gemeinsame Ziele als Basis

Zur Begründung für diese Kooperation formulierte der 11. Kinder- und Jugendbericht: »So wenig die Schule sich auf einen allein unterrichtsbezogenen Bildungsauftrag berufen kann, so wenig kann sich die Kinder- und Jugendhilfe lediglich auf familienunterstützende bzw. -ersetzende Leistungen im Bereich der Betreuung und Versorgung von Kindern jenseits des Bildungswesens zurückziehen. Beide Seiten stehen heutzutage mehr denn je vor der Herausforderung, sich auf die veränderten Bedingungen des Aufwachsens in einer modernen Gesellschaft einzustellen. Dies setzt eine Neubestimmung der Aufgaben von Schule ebenso voraus wie von Kinder- und Jugendhilfe (...).« Der 11. Kinder- und Jugendbericht betont ein »gleichberechtigtes Miteinander« von Schule und Jugendhilfe. Schulsozialarbeit, Medienarbeit u.a. Angebote dürfen nicht zu einem »Anhängsel« von Schule werden, sondern sind auf der Grundlage eines partnerschaftlichen Verhältnisses in ein pädagogisches Gesamtkonzept zu integrieren. Ohne Reflexion des jeweiligen schulischen Leitbilds sowie des Selbstbilds der handelnden Pädagog/innen lassen sich unterschiedliche Formen eines Ganztagsunterrichts (»offene« Ganztagsschule; »gebundene« Ganztagsschule) nicht entwickeln. Zu einer erfolgreichen Kooperation gehören auch die klare Benennung der gemeinsamen Ziele und der konzeptionellen Grundlagen sowie der personellen, finanziellen und räumlichen Voraussetzungen bzw. Ressourcen für die Kooperation. Erfahrungen aus dem Bereich der Schulsozialarbeit zeigen, dass für längerfristige Kooperationen systematische und strukturelle Begründungen notwendig sind, eingebettet in Formen institutionalisierter und dauerhafter Zusammenarbeit. Mehr Autonomie für Schulen, Entwicklung sozialraumbezogener Kooperations-Netzwerke und Überwindung von Ressortdenken innerhalb und zwischen zuständigen Behörden auf kommunaler und regionaler Ebene sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche und dauerhafte Kooperation zwischen Schule und verschiedenen Feldern der Jugendhilfe.

 

Impulse für die Schule durch Angebote außerschulischer Medienarbeit

Außerschulische Medienarbeit geht von den Lebenswelten und der Lebenswirklichkeit der jungen Menschen aus. Sie betont Erfahrungs- und Lernprozesse, die Lernen als Freude auf Selbstentdeckung verstehen. Medien werden nicht primär als technische Mittler, sondern als ästhetisches und symbolisches Material für Selbstausdruck und Kommunikation betrachtet. Außerschulische Medienarbeit knüpft an den vorhandenen Medienkompetenzen bei Kindern und Jugendlichen an und entwickelt pädagogische Arrangements, um diese zu erweitern und zu differenzieren. Hierfür sind authentische Lernsituationen notwendig, die genügend Zeit- und Handlungsspielräume für das Experimentieren und spielerische Ausprobieren mit Medien eröffnen. Die Förderung von Formen subjektiver Stil- und Symbolbildung ist dabei ein vorrangiges medienpädagogisches Ziel. Hierzu gehören u.a.:

  • Gestaltungsfreiheit bei Themenwahl, Ausdrucksform und Arbeitsweise;
  • Balance von Prozess- und Produktorientierung, die Zeit für soziales und emotionales Lernen, für Reflexion und Erfahrungsbildung lässt;
  • Stärkung präsentativ-symbolischer Ausdrucksformen (Bilder, Musik, Körpersprache), insbesondere im Kontext interkultureller Lernprozesse.

Der Einsatz von Medien und produktive Medienarbeit sind zugleich eine große Chance für Selbstpräsentation und Öffentlichmachen von Themen und Anliegen. Gerade Jugendliche aus sozial und bildungsmäßig benachteiligenden Verhältnissen können – so die Erfahrung zahlreicher Projekte – durch eine erfolgreiche Medienarbeit erheblich an Selbstwertgefühl und Selbstbewusstein gewinnen!
Die skizzierten Ziele und Arbeitsformen außerschulischer Medienarbeit tragen dazu bei, fächerübergreifende Projekte und selbständige, eigenverantwortliche Lernformen an Schulen zu stärken. Junge Menschen erhalten mehr Wahlfreiheiten und werden unterstützt, diese kompetent zu nutzen. Hierfür bedarf es professionell ausgebildeter Medienpädagog/innen, der Verstärkung medienpädagogischer Inhalte in der Lehrerausbildung sowie der Anerkennung von Fortbildungsangeboten medienpädagogischer Facheinrichtungen.



Prof. Dr. Horst Niesyto ist Leiter der Abteilung Medienpädagogik am Institut für Erziehungswissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und Mitglied im Bundesvorstand der GMK.

 

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