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Vom Dschungelcamp zum Superstar

Divergierende Angebote statt klarer Orientierung

Joachim von Gottberg

Auch ein Mensch mit wenigen Begabungen oder Eigenschaften, die ihn zu etwas Besonderem machen könnten, hat die Sehnsucht nach Applaus, Anerkennung und Ruhm. Je größer die Diskrepanz zwischen Begabungsmangel und dem Bedürfnis, auch mal ein Star zu sein, ausfällt, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein solcher Mensch einmal ein Opfer von Dieter Bohlen und seiner Jury wird.

− Menschen wollen wissen, wo sie stehen

Die Veröffentlichung peinlicher oder schmerzlicher Ereignisse ist eines der Hauptmerkmale von Fernsehformaten, die sich seit dem Ende des öffentlich- rechtlichen Monopols entwickelt haben. In den Talkshows der privaten Sender traten seit Beginn der neunziger Jahre Menschen mit ihren alltäglichen Problemen auf, denen Bildungsbürger bis dahin höchstens in der U-Bahn, auf Schützenfesten oder an Würstchenbuden begegnet sind. Auch die Probleme, um die es ging, waren keineswegs politically correct: Bordellbesuche des Lebenspartners, verwahrloste Kinder der Nachbarn, sexuelle Attraktivität trotz Fettleibigkeit, Brustvergrößerungen oder Verkleinerungen, Lust auf Abwechslung im Swinger-Club, Schulden und viele andere Probleme des Lebens wurden freimütig und in wenig elaborierter Sprache vorgetragen. Das Prinzip war Konfrontation. Denjenigen, die Bordellbesuche normal fanden und auch nichts gegen regelmäßige Besuche in Swinger Clubs einzuwenden hatten, wurden Moralapostel gegenübergestellt, die allerdings in ihrer Wortwahl auch nicht zimperlich waren. Der Moderator versuchte, die teilweise heftigen Streitigkeiten einigermaßen zu schlichten, und das Publikum bewertete moralische Aussagen der Gäste durch Applaus oder Buh-Rufe.

Über den Autor

Joachim von Gottberg
Pädagoge, seit 1994 Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF). Daneben arbeitet er als Vizepräsident des Deutschen Kinderhilfswerks und als Honorarprofessor an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in Potsdam-Babelsberg.