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Verirrt im Mediendschungel? – Ein elektronischer Briefwechsel

Sonja Ganguin/Ida Pöttinger
 
Liebe Ida,
ich habe gerade sehr gut gegessen und genieße das kleine Völle-Gefühl. Der Fernseher läuft. Ich zappe herum und kann mich nicht entscheiden. Weltspiegel, Polylux oder Quarks. Trübt ein voller Magen eigentlich die subjektive und objektive Wahrnehmung? Voller Magen – so sagt man doch – studiert nicht gern. Oder ist es vielleicht einfach auch okay, sich im Schundfernsehen offen und ehrlich zu verirren? Bin mir da unsicher, ertappe ich mich doch dabei, meinen Fernsehkonsum anderen gegenüber legitimieren zu müssen: „Ich bin Medienpädagogin, ich muss doch schließlich wissen, was andere Leute so schauen.“ Auf der anderen Seite gibt es aber tatsächlich auch Freizeitbeschäftigungen, nach denen ich nicht dieses unbehagliche Gefühl habe. „Was habe ich gerade mal wieder mit meiner kostbaren Lebenszeit angefangen?“ Ich ziehe daraus die Konsequenz: Ein Gleichgewicht muss her. Wie aber findet man das?

Liebe Sonja,
ein Gleichgewicht von was? Für meine Begriffe ist Gleichgewicht wichtig am Schwebebalken und in punkto Medien eine Frage des Zeitmanagements. Der Tag hat nun mal nur 24 Stunden und wenn ich diese Zeit durch 3 teile, also 8 Stunden Schlaf, 8 Stunden Arbeit oder Lernen für die Schule und 8 Stunden für die seelisch-geistige Regeneration, dann geht die Rechnung in Wirklichkeit nicht auf. In diesem letzten Drittel widme ich mich zu einem großen Prozentsatz den Medien (Fernsehen, Mails schreiben, Telefonieren, Zeitung oder Bücher lesen …). Wie viel Zeit bleibt dann noch für Essen, mit Freunden plaudern, Spielen, Träumen, Rechnungen bezahlen, ein Instrument spielen, Blumen pflanzen, Joggen, Aufräumen, Wäsche waschen und Bügeln? Ich habe immer den Eindruck, die wirklich wichtigen Dinge kommen zu kurz. Medien machen nicht satt, nicht einmal im übertragenen Sinn. Sollte man sich nicht genauer überlegen, auf was es ankommt im Leben und Kindern und Jugendlichen sagen, sie sollten sich das auch mal überlegen, statt jedem neuen
Medien-Quatsch nachzurennen?

Liebe Ida,
na ja, machen wir es denn immer besser? Obwohl ich satt war, konnte ich nicht widerstehen und habe noch einen Zwetschgen-Kuchen und eine Kugel Eis gegessen. Wo bleiben denn da einerseits meine Disziplin und andererseits meine reflexive Voraussicht? Das ist etwas, was mich derzeit umtreibt. Können wir z. B. wirklich erwarten, dass Kinder und Jugendliche von sich aus wissen, wann sie mediengesättigt sind? Was ist mit der Verführungskunst der Medien, an der alle elterlichen Regelungen abprallen. ...

Über die Autoren

Sonja Ganguin
Diplom-Pädagogin, 2003 WAL-Preis für ihre Diplomarbeit zum Thema „Medienkritik“. Von 2003 bis 2005 Angestellte in einem DFG-Forschungsprojekt zum Thema „Qualität von E-Learning“; seit 2006 wissenschaftliche Angestellte der Fakultät für
Pädagogik an der Universität Bielefeld in der AG Medienpädagogik, Jugendforschung und Forschungsmethoden. Seit 2007 im Vorstand der GMK. Arbeitsschwerpunkte: Medienkritik, Computerspiele, E-Learning.

Ida Pöttinger
Dr., Diplom-Pädagogin, arbeitete als Hörspielautorin, Journalistin sowie als Lehrerin und Lehrbeauftragte. Sie war Redakteurin bei einer Fachzeitschrift und einem
medienpädagogischen Portal und leitete das Projekt Multimedia im Rahmen von Ganztagsangeboten (MeGa) der Medienoffensive Schule II des Kultusministeriums Baden-Württemberg.