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"Krieg in den Medien" – ein Lernprogramm

Eine Alternative zum Verbot von Killerspielen

Leopold Grün/Helene Hecke

Kriege und Gewalt finden überall in der Gesellschaft statt. Ihre mediale Abbildung ebenso. Für die Berichterstattung gelten dabei scheinbar andere Regeln als für fiktive Stoffe. Wie aber soll man Jugendlichen erklären, warum bestimmte Kriegsspiele indiziert sind, während in den TV-News ebenfalls Granateinschläge oder amputierte Opfer vorgeführt werden? Gibt es "gute Gewalt" in Aufklärungsfilmen – und "schlechte Gewalt" in Egoshootern?

Wenn ein Film wie Der Soldat James Ryan realistisches Sterben zeigt, werden weitere Widersprüche des Jugendschutzes deutlich. Zumindest für die Prüfer der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF). Derlei Sequenzen kann man nicht einfach für den 20:15-Blockbuster freigeben. Andererseits liegt das Motiv dieses Filmes nun gerade nicht in der Gewaltverherrlichung. Es ist ein Antikriegsfilm. Doch ein "guter Antikriegsfilm muss", wie Medienwissenschaftler Lothar Mikos sagt, "drastische Szenen zeigen, auch wenn dies im Widerspruch zu allen Jugendschutz-Argumentationen steht." (im Experteninterview auf der DVD-ROM Krieg in den Medien, Berlin/Bonn 2007)

Problematische Einflüsse werden gewöhnlich an den Jugendschutz delegiert. Das bloße Fernhalten oder Verbieten ist aber weder konstruktiv noch wirkungsvoll. Denn selbst gewalthaltige Stoffe haben ihre Ambivalenzen, das sieht man an Debatten um Filme wie eben James Ryan oder Black Hawk Down. Und viel diskutierte Jugendschutzgesetze oder Fernsehfreigaben können eines nicht verhindern: Die Medienkompetenz Jugendlicher besteht vor allem aus dem Wissen wo man was findet. Und das betrifft gerade auch jugendgefährdende Inhalte. Dass etwas verboten ist, heißt noch lange nicht, dass man es nicht irgendwo herunterladen kann.

Woher sollen Jugendliche einen bewussten Umgang mit Gewaltdarstellungen beziehen? Es fehlt immer noch an standardisierten und im Lehrplan integrierten medienpädagogischen Anleitungen, die die oft stereotype Dramaturgie von so genannten "Killerspielen" oder soldatischen Superhelden durchschaubar machen und die Wirkung auf das eigene Verhalten hinterfragen. An dieser Stelle setzt das Lernprogramm Krieg in den Medien – kurz KIM – an.

Über die Autoren


Leopold Grün
Grundschullehrerausbildung in der DDR, Studium und Abschluss der Sozial- und Medienpädagogik in München. Seit 1996 bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) für den Bereich Medienpädagogik verantwortlich. Zahlreiche Projekte an Schulen sowie Entwicklung von Arbeitsmaterialien zur Entwicklung von Medienkompetenz in Schule und Jugendarbeit. Von 1999 bis 2006 Geschäftsführer des Instituts Jugend Film Fernsehen Berlin-Brandenburg. 2001 Diplom als Medienberater an der Technischen Universität Berlin. Seit 1999 auch als freier Dokumentarfilmer tätig. Zwischen 2003 und 2007 entstand u. a. der Kinodokumentarfilm Der Rote Elvis. Zwischen 2005 und 2007 entwickelte er mit einem Team bei der FSF die DVD-ROM Krieg in den Medien.

Helene Hecke
Studium der Geschichte, Sozialwissenschaften und Germanistik in Bremen und Paris. Medienhistorische Abschlussarbeit 1996: "Die Superhelden und das Wirtschaftswunder" (über den Import amerikanischer Comic-Kultur im Nachkriegsdeutschland und Neukonstituierung des Jugendschutzes; WAL-Preis 1997). Seit 1993 freie Journalistin für Tageszeitungen, Hörfunk, Fachzeitschriften, u. a. freie Mitarbeit bei tv diskurs (FSF). Mehrere Jahre lang verantwortliche Redakteurin in einem internationalen Verlagskonzern. Seit 2002 wieder freiberuflich als Lektorin und Autorin mit dem Schwerpunkt Jugendkultur, Web-Entwicklung und Mediengeschichte.