Fachtagung Jugendmedienarbeit NRW 2026
10. Juni 2026
09:45 - 16:30
Stadtbibliothek Bielefeld - Neumarkt 1, Bielefeld
Fachtagung Jugendmedienarbeit NRW
Handlungssicher bei Cybergrooming und sexualisierter Online-Gewalt – Medienpädagogische Ansätze für die Praxis
+++ Programm und Anmeldung ab dem 14. April +++
Digitale Räume sind Kommunikations-, Beziehungs- und Erfahrungsräume: Sie eröffnen vielfältige Teilhabechancen, bergen jedoch zugleich Interaktionsrisiken. Auch Cybergrooming und sexualisierte Online-Gewalt gehören im digital geprägten Alltag junger Menschen zu den potenziellen Gefährdungen. Pädagogische Fachkräfte, Lehrer*innen und Eltern stehen somit vor der Aufgabe, Aufklärung, Befähigung und Schutz gleichermaßen zu gewährleisten. Handlungssicherheit entsteht dort, wo sie Dynamiken digitalisierter Übergriffe und Grenzverletzungen verstehen, Warnsignale erkennen und präventive wie auch intervenierende Maßnahmen professionell umsetzen können. Neben der Sensibilisierung für die Strategien von Täter*innen braucht es Konzepte zur Stärkung von Selbstwirksamkeit, Resilienz, Beschwerde- und Hilfesuchkompetenz von Kindern und Jugendlichen sowie klare institutionelle Handlungsleitlinien.
Die Fachtagung Jugendmedienarbeit NRW 2026 bündelt aktuelle Erkenntnisse aus Medienpädagogik, Kinder- und Jugendmedienschutz sowie Recht. Sie möchte die Teilnehmenden in die Lage versetzen, sachlich, differenziert und praxisnah mit Cybergrooming und sexualisierter Online-Gewalt umzugehen sowie Methoden und Formate zu entwickeln, um junge Menschen zu befähigen und sie als verlässliche Ansprechpartner*innen zu begleiten und zu unterstützen. Im Fokus stehen u. a. folgende Fragen:
- Wie kann man mit Kindern und Jugendlichen altersgerecht medienpädagogisch zu Cybergrooming und sexualisierter Online-Gewalt arbeiten, ohne Ängste zu verstärken oder digitale Räume pauschal zu problematisieren?
- Welche präventiven Maßnahmen stärken Selbstbehauptung, digitale Souveränität und Hilfesuchkompetenz und welche Rolle können Peer-Ansätze dabei einnehmen?
- Welche Schutzfaktoren reduzieren die Vulnerabilität junger Menschen?
- Wie können Präventions- und Interventionskonzepte so gestaltet werden, dass sie die besonderen Schutzbedarfe marginalisierter junger Menschen berücksichtigen und diskriminierungssensibel sowie barrierearm umgesetzt werden?
- Wie können Fachkräfte professionell reagieren, wenn Verdachtsfälle oder konkrete Vorfälle bekannt werden?
- Welche straf- und jugendschutzrechtlichen Regelungen greifen und welche Handlungspflichten ergeben sich für Einrichtungen?
- Wie sind Datenschutz, Dokumentation und Kooperationen mit Strafverfolgungsbehörden rechtssicher zu gestalten, ohne die Rechte der betroffenen jungen Menschen zu verletzen?
Dies und mehr thematisieren wir auf der GMK-Fachtagung Jugendmedienarbeit NRW 2026 in Vorträgen, Praxisworkshops und einer Gesprächsrunde.
Unsere Referent*innen:
- Isabel Rausch-Jarolimek (Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz)
- Maeve Moosburner (Kriminologische Zentralstelle Wiesbaden)
- Bianca Rilinger (Leitung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit HOT Porz für OT Ohmstraße und OT Arche Nova Köln; nimm! Netzwerk Inklusion mit Medien)
- Benita Martis und Kilian Kuhlendahl (jfc Medienzentrum)
- Karolina Albrich (fjmk – Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW)
Förder*innen/Kooperationspartner*innen:
Die Tagung wird gefördert vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen und findet in Kooperation mit der Stadtbibliothek Bielefeld und dem Projekt STRONG der AJS NRW statt.
Weitere Informationen: GMK-Geschäftsstelle
André Weßel: a.wessel@medienpaed.de
GMK im Netz: Instagram, LinkedIn, Mastodon, Threads, YouTube und Facebook
Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur e.V. (GMK) ist seit 1984 Netzwerk und Fachverband für alle, die sich für Wissenschaft und Praxis der Medienpädagogik, Medienbildung und Medienkultur interessieren. Die GMK vergibt jährlich mit dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend den Dieter Baacke Preis für medienpädagogische Projekte. Sie ist Trägerin der Jugendhilfe und führt mit dem M-Team medienpädagogische Beratung und Projekte u. a. im Bereich der Jugendmedienarbeit in NRW durch. Zudem verantwortet sie den #DigitalCheckNRW und ist sie Teil von toneshift – Netzwerk gegen Hass im Netz und Desinformation.
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Programm
09:30 Uhr: Check-in
09:45 Uhr: Begrüßungen
- Dr. Iulia Capros, Leitung Stadtbibliothek Bielefeld
- Torsten Groß, Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration NRW
- Dr. Friederike von Gross, GMK
- Silke Knabenschuh, AJS NRW
10:15 Uhr: Vortrag „Im Spannungsfeld zwischen Schutz, Befähigung und Teilhabe: Kinder und Jugendliche und die verschiedenen Formen digitaler sexualisierter Gewalt“
- Isabell Rausch-Jarolimek, Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz
Kinder und Jugendliche können bei der Nutzung digitaler Dienste wie Social Media und Online-Games mit sexuellen Grenzverletzungen konfrontiert werden. Die Formen sexueller Gewalt und Belästigung sind dabei vielfältig. Cybergrooming und (nicht-einvernehmliches) Sexting gehören zu den bekannten Phänomenen. Welche Möglichkeiten gibt es, Kinder und Jugendliche zu schützen – bei zeitgleicher Wahrung von Befähigung und Teilhabe? Was müssen und können Anbieter digitaler Dienste dafür tun? Und wo finden Kinder und Jugendliche sowie deren Bezugspersonen Rat und Hilfe? Diese und weitere Fragen sollen im Vortrag erörtert
werden.
Isabell Rausch-Jarolimek war in verschiedenen Organisationen im Bereich des Kinder- und Jugendmedienschutzes tätig, u.a. im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Von dort wechselte sie 2022 zur Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz und leitet dort das Referat „Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendmedienschutzes“.
11:00 Uhr: Vortrag „Cybergrooming – Erforschung von Risikofaktoren, Ermittlungspraxis & Schutzmaßnahmen“
- Maeve Moosburner, Kriminologisches Zentralinstitut
Im Rahmen des Verbundprojekts CERES (Cybergrooming – Erforschung von Risikofaktoren und Ermittlungspraxis und Schutzmaßnahmen) wurde das Phänomen Cybergrooming aus Tatbegehenden-, Betroffenen- und Ermittlungsperspektive durch ein interdisziplinäres Team beleuchtet. Neben einer rechtlichen Einordnung des Phänomens werden Ergebnisse zu Charakteristika und Risikofaktoren bei Tatbegehenden sowie Betroffenen im kriminologischen Hell- und Dunkelfeld berichtet. Gleichzeitig werden Präventions- und Interventionsmöglichkeiten für Tatbegehende und Betroffene auf justizieller Ebene diskutiert.
Maeve Moosburner (M. Sc. Psychologie) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und forensische Psychologin bei der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden. Aktuell promoviert sie zum Thema Cybergrooming im Rahmen des Projekts CERES und ist Teil des Projekts BLADE zur Untersuchung von Messerangriffen in Deutschland. Ebenfalls betreut sie die Online-Datenbank für Betroffene von Straftaten (ODABS).
11:45 Uhr: Kaffeepause
12:00 Uhr: Panel „Zwischen Prävention und Intervention: Wie entsteht Handlungssicherheit für Fachkräfte und für Kinder und Jugendliche?“
- Isabel Rausch-Jarolimek, Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz
- Maeve Moosburner, Kriminologisches Zentralinstitut
- Jugendliche (N.N.)
13:00 Uhr: Mittagspause mit Imbiss
13:45 Uhr: Workshops
Workshop 1 „Aus der Praxis für die Praxis: Inklusive Methoden zur Sensibilisierung für Cybergrooming und digitale Grenzüberschreitungen“
- Bianca Rilinger, Leitung der OKJA HOT Porz für Inklusive OT Ohmstraße und OT Arche Nova
Im Rahmen des Workshops werden inklusive Methoden zur Sensibilisierung von Jugendlichen mit und ohne Behinderungen für Cybergrooming und digitale Grenzüberschreitungen vermittelt. Teilnehmende erhalten konkrete Werkzeuge zur niedrigschwelligen Vermittlung sowie Ansätze zur Binnendifferenzierung innerhalb von Workshops. Ein besonderer Fokus des Workshops liegt auf Methoden für die Arbeit mit Jungen und jungen Männern mit und ohne Behinderungen.
Bianca Rilinger ist seit mehr als 20 Jahren in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit tätig. Seit 2013 setzt sie sich für die Förderung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen in inklusiven Settings ein und entwickelt Methoden aus der Praxis für die Praxis.
Workshop 2 „Flag Check: Methodisch Cybergrooming in Games begegnen“
- Karolina Albrich, Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW
In diesem Workshop beleuchten wir Online-Games als möglichen Gefahrenort für Cybergrooming. Wir besprechen, wie Täter*innen strategisch vorgehen, wie sich junge Menschen schützen können und wie Fachkräfte sie dabei unterstützen. Als Praxisbeispiel nutzen wir die Methode „Flag-Check“ – ein Kartenspiel der fjmk im Rahmen des Projekts STRONG (AJS NRW). Es vermittelt anschaulich Täter*innen-Strategien in Games und zeigt wirksame Wege zum Selbstschutz auf.
Karolina Albrich, Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW, studierte Erziehungswissenschaft und arbeitet seit 2016 bei der fjmk NRW. Sie hat Erfahrung mit ganz unterschiedlichen Zielgruppen und Formaten wie bspw. „Gaming ohne Grenzen“, „KryptoKids und das geheime Netzwerk“ und „Jugend hackt“ in Köln. Seit 2023 leitet sie den Fachbereich “Kreative Medien”, in dem viele Projekte rund um Kunst, Kultur, Making, Coding und Robotik verortet sind.
Workshop 3 „STRONG@jfc: Cybergrooming und KI“
- Benita Martis und Kilian Kuhlendahl, jfc Medienzentrum
Der Workshop behandelt Künstliche Intelligenz und Cybergrooming und gliedert sich in Theorie, Praxis und Handlungsmethoden. Hier wird eine konzentrierte Version für Fachkräfte angeboten, die auch die Methoden des gleichnamigen Angebots für Jugendliche vorstellt. Nach einem Einblick in die rechtliche Situation geht es um Vermittlung von KI-Kompetenzen, insbesondere Sensibilisierung für Fake-Profile sowie für missbräuchliche KI-Nutzung wie Deepnudes. In der Praxis erfahren die Teilnehmenden Reflexion und Vernetzung als Werkzeuge gegen Manipulationsversuche, die das eigene Fühlen zum Ziel haben.
Benita Martis ist Freelance Creative Technologist an den Schnittstellen von Design, künstlerischer Forschung und Technologie. Sie studierte Kommunikationsdesign (Interaktive Medien) und absolvierte ein Diplom an der Kunsthochschule für Medien Köln. In ihrer Arbeit untersucht sie die Dynamik sozialer Netzwerke im Kontext von Künstlicher Intelligenz und fördert einen reflektierten Umgang mit Technologie.
Kilian Kuhlendahl ist Projektassistenz des jfc Medienzentrum für Schutz- und Stärkungsprozesse und arbeitet pädagogisch mit Kindern und Jugendlichen in verschiedenen erzählenden Medien wie Film, Hörbuch oder Kreativem Schreiben. Kilians künstlerische Arbeiten setzen sich oft mit Multiperspektivität und dem Verhältnis von Geschehen und Erzähltem auseinander, wie zuletzt die Graphic Novel „War doch alles schön“.
14:45 Uhr: Kaffeepause
15:00 Uhr: Workshops siehe oben
16:00 Uhr: Begegnung und Netzwerken
16:30 Uhr: Veranstaltungsende
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Teilnahme nach Anmeldung:
- Anmeldung zur Präsenztagung bis zum 30.05.2026!
- Online-Anmeldung: www.gmk-net.de/veranstaltungen/nrw-fachtag-2026/#anmeldung
- Ein Teilnahmebeitrag wird nicht erhoben, eine Anmeldung wird vorausgesetzt!



