Die GMK begrüßt, dass die politische Debatte um soziale Medien und den Schutz junger Menschen an Fahrt gewinnt. Die Probleme sind real und sie sind groß: Algorithmisch gesteuerte Aufmerksamkeitsbindung, Desinformation und psychische Belastungen durch sozialen Druck und Hassrede sind ernsthafte gesellschaftliche Herausforderungen, denen wir begegnen müssen.
Aber zu ernsthaften Herausforderungen gilt es auch nachhaltige Lösungen zu finden. Und dazu gehört die notwendige Differenzierung.
Nein zu pauschalen Verboten – ja zu Regulierung mit Konsequenz
Die GMK lehnt pauschale Verbote sozialer Medien für Kinder und Jugendliche ab. Sie verletzen Rechte, die in der UN-Kinderrechtskonvention verankert sind: das Recht auf soziale und kulturelle Teilhabe, auf Bildung, auf Information und auf Meinungsäußerung. Soziale Medien sind keine reine Freizeitoption. Sicherlich, sie sind für viele Jugendliche zentrale Räume ihrer Lebenswelt, in denen sie sich treffen, miteinander kommunizieren und Zerstreuung und Unterhaltung suchen. Aber sie sind auch die Räume, in denen demokratische Selbstwirksamkeit eingeübt wird, in denen Öffentlichkeit entsteht, in denen gesellschaftliches Engagement beginnt. Wer junge Menschen aus diesen Räumen ausschließt, schützt sie nicht nur vor Risiken, sondern schließt sie aus der Gesellschaft aus.
Alle Kinder und Jugendlichen mitdenken und einbeziehen
Verbote treffen nicht alle Kinder und Jugendlichen gleichermaßen. Junge Menschen aus ressourcenstarken Familien erfahren häufig eine enge elterliche Begleitung sowie Unterstützung im Umgang mit digitalen Medien und verfügen über alternative Freizeitangebote. Andere wachsen unter Bedingungen auf, in denen digitale Räume wichtige soziale, kulturelle und informelle Lernorte darstellen. Wer ausschließlich mit Verboten agiert, verstärkt bestehende Ungleichheiten, statt sie auszugleichen. Kinder- und Jugendmedienschutz muss daher auch sozialpolitisch gedacht werden und darf strukturelle Benachteiligungen nicht weiter verschärfen.
Außerdem fehlen die Kinder und Jugendlichen bei der Gestaltung der Debatte nach wie vor. Wenn wir sie ernsthaft beteiligen wollen, darf es nicht bei symbolischen Verweisen bleiben. Notwendig sind verbindliche Beteiligungsformate, etwa Jugendbeiräte auf Landes- und Bundesebene, strukturierte Anhörungen in Gesetzgebungsverfahren oder begleitende Jugendpanels bei regulatorischen Maßnahmen. Nur wenn junge Menschen ihre Erfahrungen mit Plattformen, Risiken und Schutzbedarfen einbringen können, entstehen Regelungen, die sowohl wirksam als auch lebensnah sind. Ihre Meinungen, Wünsche und Bedürfnisse müssen konsequent miteinbezogen werden, denn sie sind am Ende diejenigen, die von einem Verbot hauptsächlich betroffen sind.
Die Plattformen regulieren, nicht die Jugendlichen
Dabei sollte Politik nicht in erster Linie die Kinder und Jugendlichen, sondern die Plattformen adressieren, weil diese die primäre Verantwortung tragen und ihr nicht nachkommen. Der Digital Services Act, das Jugendschutzgesetz, die KI-Verordnung: Es gibt bereits Rechtsrahmen, die Schutz böten, wenn sie konsequent durchgesetzt würden. Sie weisen den Plattformen klare Pflichten zu. Aus rechtlicher Sicht ist es erforderlich, sie zur Umsetzung dieser Verpflichtungen zu zwingen, anstatt elementare Rechte junger Menschen zu verletzen, indem unter Verweis auf das Vorsorgeprinzip pauschale Verbote verhängt werden.
Die Forderungen nach datensicherer, überwachungsarmer Nutzung, nach Safety-by-default, nach algorithmischer Steuerung nur per Opt-in und nach Transparenz bei KI-generierten Inhalten unterstützt die GMK ausdrücklich. Ebenso die Regulierung aller Mechanismen, die auf lange Verweildauer und Verhaltenslenkung ausgelegt sind: Endlos-Scrollen, ständige Push-Benachrichtigungen und variable Belohnungssysteme sind keine neutralen Funktionen, sondern bewusste Eingriffe in das Nutzungsverhalten. Plattformen, die sich ihrer Verantwortung entziehen und solche Funktionen und Mechanismen nicht entfernen, müssen wirksame Konsequenzen erfahren.
Wo sichere, altersgerechte Alternativen zu kommerziellen Plattformen fehlen, müssen Staaten in deren Entwicklung und Bereitstellung investieren. Medienpädagogisch begleitete, nicht-kommerzielle Räume für digitale Kommunikation und Beteiligung sind kein Luxus, sie sind eine demokratische Notwendigkeit.
Die gesamte Stellungnahme lesen sie hier: https://regulierung-braucht-medienbildung.gmk-net.de/stellungnahme-vom-19-02-2026/


