Positionspapier “Digitalisierung. Teilhabe. Vielfalt: Medienbildung inklusiv gestalten!”

Positionspapier zum Inklusionsverständnis mit zentralen Forderungen der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur e. V. (GMK)

Die GMK stellte auf ihrem 35. Forum Kommunikationskultur in Bremen Fragen zur Digitalisierung unter der Prämisse „Medienbildung für alle“. In Fachvorträgen und Workshops wurde das Thema für unterschiedliche Zielgruppen und medienpädagogische Themenfelder bearbeitet und weiterentwickelt. Im Vorfeld der Tagung veröffentlichte die GMK-Fachgruppe Inklusive Medienbildung ein Positionspapier. Die Inhalte des Papiers wurden auf der Fachtagung für die Handlungsfelder Frühe Bildung, Schule, Außerschulische Jugendbildung, Erwachsenen- und Weiterbildung, berufliche Bildung und Hochschulbildung diskutiert und weitergeführt. In Arbeitsgruppen kamen Expert*innen aus unterschiedlichen Berufsfeldern zusammen: aus Forschung, Lehre, Verwaltung sowie aus (inter-)kultureller, beruflicher, allgemeinbildender und außerschulischer sowie schulischer medienpädagogischer Praxis. Ihre Anregungen rundeten die Forderungen ab und sind in das aktuelle, vorliegende Papier einbezogen.

Inklusive Medienbildung
Die GMK vertritt die Auffassung, dass Medienbildung für die Ermöglichung gesellschaftlicher Zugehörigkeit und Teilhabe grundlegend ist und integraler Bestandteil von Bildungsprozessen sein muss. Ziel der Bestrebungen der GMK und ihrer Akteur*innen ist es, in der Medienbildung besonders Ungleichheiten und Ausschlüsse in den Blick zu nehmen und sie unter der Perspektive der Inklusion entlang der gesamten Bildungskette zu adressieren.
Inklusion wertschätzt Vielfalt und bezieht alle Differenzkategorien wie soziale und/oder kulturelle Herkunft, Gender, sexuelle Identität, Alter, Behinderung ein. Die Kategorien sind miteinander verwoben und können gerade im Zusammenspiel miteinander zu Ausschlüssen führen.
Es gilt zu analysieren und zu reflektieren, welche Bedeutung Medien und mediale Infrastrukturen für Prozesse der Inklusion sowie Exklusion haben.
Inklusive Medienbildung nimmt die Vielfältigkeit des Menschseins in den Blick und bezieht alle Menschen ein. Gleichwohl werden Ungleichheitskategorien, die besonders häufig mit Marginalisierung, Entrechtung, Benachteiligung und Ausschluss verbunden sind, in den Fokus gerückt.

Zentrale Felder der medialen Teilhabe:

Teilhabe IN Medien:
Die Repräsentation in den Medien ist entscheidend dafür, wie sichtbar Vielfalt in der Gesellschaft ist und wie sie wahrgenommen wird. Dabei ist die Diversität in Redaktionen ein zentraler Ansatzpunkt dafür, dass auch die Darstellung von Gesellschaft vielfältiger wird. Medienpädagogik beschäftigt sich mit stereotypen, klischeebehafteten und stigmatisierenden Darstellungen und setzt diesen durch eigene Medienproduktionenein vielfältiges und selbstbestimmtes Bild entgegen.

Teilhabe AN Medien: Barrierefreie Medien ermöglichen Teilhabe. Barrierefreiheit betrifft die technische Bedienbarkeit, die Wahrnehmbarkeit mitunterschiedlichen Sinnen sowie die Verständlichkeit der Sprache und Einfachheit der Benutzerführung. Der international gebräuchliche Begriff Accessibility (Zugänglichkeit) erweitert das Verständnis von Barrierefreiheit zu einem umfassenden Zugang im Sinne der Aneignung von Medien.

Teilhabe DURCH Medien: Arbeiten, Lernen, Kommunizieren, Beteiligung an öffentlichen Diskursen – digitale Medien bieten vielfältige Möglichkeiten der Partizipation für alle. In Kombination mit unterstützenden Technologien eröffnen sie Teilhabemöglichkeiten, die vielen Menschen bisher verwehrt oder stark erschwert waren. Die vorliegenden Forderungen weisen auf notwendige Voraussetzungen hin, um Bildungsprozesse über die gesamte Lebensspanne hinweg an den Zielvorstellungen von Inklusion und Medienbildung gestalten zu können.

Forderungen der GMK für eine inklusive Medienbildung:

1. Inklusion und mediale Teilhabe in allen Bildungskontexten und Institutionen konsequent verankern
Medienbildung kann einen wesentlichen Beitrag zur Gestaltung des inklusiven Lernens in allen Bildungsbereichen leisten. Inklusion und Medienbildung können enorm voneinander profitieren, wenn beides in Bildungsangeboten konsequent umgesetzt wird. Um dies realisieren zu können, bedarf es ausreichender finanzieller und personeller Ressourcen.

2. Inklusive Medienbildung in Aus-, Fort- und Weiterbildung von Fachkräften systematisch integrieren
Inklusive Medienbildung lässt sich entlang der Bildungskette nur verankern, wenn ausreichend ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen. Die Verknüpfung von Medienbildung mit dem Prozess und den Aufgaben der Inklusion findet bisher nur unzureichend statt und muss systematisch in Aus- und Fortbildungsprogramme integriert werden.

3. Öffentliche Kommunikation inklusiv gestalten
Allen Menschen muss die aktive Teilhabe am gesamten Spektrum der öffentlichen Kommunikation eröffnet werden, um ihre Bedarfe, Meinungen und Erfahrungen öffentlich zu artikulieren.

4. Medien für alle zugänglich machen, um eine selbstbestimmte und souveräne Mediennutzung zu sichern
Eine umfassende Zugänglichkeit zu und Nutzbarkeit von Medienangeboten muss für alle gesichert sein. Dazu bedarf es mehr gesetzlicher Verpflichtungen zur Umsetzung eines Universal Designs: Medien, Inhalte, Räume, Angebote und Ansprache sollten so gestaltet sein, dass alle erreicht werden.

5. Methodenvielfalt in (medien-)pädagogischer Arbeit bereitstellen
Ansprache, Methoden und Materialien werden so gestaltet, dass Menschen vielfältiger Voraussetzungen partizipieren und profitieren. Hierfür sind zielgruppenorientierte und aufsuchende Angebote notwendig.

6. Den Dialog zwischen Akteur*innen der Inklusiven Medienbildung mit Industrie, Verwaltung und Entscheidungsträgern flächendeckend einführen
Um (Medien-)Produkte, z. B. Software, so zugestalten, dass sie intuitiv inklusiv zu nutzen sind, müssen im Sinne eines User Centered Designs Nutzer*innen und Fachkräfte in die Entwicklung der Produkte einbezogen werden. Dazu ist ein Dialog zwischen den beteiligten Akteur*innen zwingend notwendig. Im Kontext zunehmender Digitalisierung muss Inklusion zugleich leitend für Veränderungsprozesse sein.

7. Multiprofessionelle Kooperationen stärken
Für das interdisziplinäre Arbeits- und Forschungsfeld der inklusiven Medienbildung ist der Ausbau multidisziplinärer Kooperationen und Netzwerke wichtig. Diesen Netzwerken gehören immer auch Expert*innen in eigener Sache an.

8. Transdisziplinäre Forschung und Evaluation fördern
Um die Potentiale von inklusiver Medienbildung in Kontexten verwandter Disziplinen und Professionen auszuloten, bedarf es transdisziplinärer Forschungsansätze. In der Wissenschaft müssen die Rahmenbedingungen so verändert werden, dass Forschung (und Lehre) in inklusiven und transdisziplinären Teams selbstverständlich wird.

Autor*innen: Ingo Bosse, Annegret Haage, Anna-Maria Kamin

Ein Positionspapier der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur e. V.

Die ausführliche Stellungnahme der GMK-Fachgruppe Inklusive Medienbildung mit Erläuterungen und Literaturliste finden Sie hier.

Download:

Positionspapier als PDF

NEU erschienen: Futurelab Medienpädagogik
IAME in der Media Literacy Expert Group der Europäischen Kommission

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